Von Edmund Hoefer. 11
rabel aus,“ ſagte ſie;„ſie hat ſie jetzt eingerieben und Leinwand d'rum gethan. Weiß nicht, wie ſie damit ſo weit hat laufen können.“—„Haſt ſie im Bett? Wie ſteht's?“ fragte er wieder.—„Ja, es mag ihr noth gethan haben,“ verſetzte ſie,„ſie zitterte wie im Fieber. Und wahr muß wahr bleiben,“ fügte ſie hinzu,„ſie hält ſich ſelbſt proper und ihre Sachen in Ordnung, ſo ärmlich auch alles iſt. Und das wäre recht, aber ſonſt iſt es das nicht. Wie magſt du nur das wildfremde Ding da gleich in's Haus nehmen, Alter, und für ſie ſorgen wollen? Wir wiſſen nichts von ihr als was ſie ſelber ſagt, und wer heißt uns das alles glauben? Die lügt uns am Ende tüchtig die Jacke voll, füttert ſich hier ordentlich aus und lacht hinterdrein über uns Kindsköpfe, die ſich ſo haben beſchwatzen laſſen. Ihr Mannsbilder ſeid eben ewig—.“—„Haſt bald ausge⸗ ſchwatzt?“ unterbrach er ſie barſch.„Meinſt du, weil du ein altes hart⸗ herziges Weibsbild biſt und dich vorhin von dem Neidhammel, der Line, haſt beſchwatzen laſſen, jetzt könnteſt du's mit mir juſt ſo machen? Nichts da, Alte, pack' ein! Ich kenne meine Leute. Die lügt nicht, man ſieht's ihr an. Und wie ſie ſich hält am Leibe und in ihren Sachen, das iſt das zweite Wahrzeichen, d'rum fragt' ich darnach. Und endlich war ihr Vater ein Ehrenmann und iſt die Stiefmutter ein Höllenbraten. Hab' ſchon davon gehört, daß ſie's mit der älteſten Tochter gottesläſterlich treibe. Und was ich dazu thun kann, ſoll das Kind nicht wieder zu ihr zurück. Baſta.“
Da war's ſchon wieder aus, und obgleich Frau Mama gegen das „hartherzige Weibsbild“ noch ein wenig proteſtirte, ſo ſchnitt ein drittes „Baſta!“ des Alten auch das ab, und ich fühlte mich verſucht, meine Hand noch einmal an die Naſe zu ſetzen. Verdenken konnt' ich ihm frei⸗ lich nicht, daß er für das Mädchen ſo eingenommen war, denn es war wirklich das bildſauberſte Frauenzimmer, das ich je im Leben geſehen, und in den folgenden Tagen, als ſie ſich erſt wieder erholt, wurde das noch ſicht⸗ barer— ſie nahm jedermanns Herz ein. Allein ſo weit ſind wir noch nicht.
Der Vorwurf von der Herzenshärtigkeit war aber bei meiner Mutter wirklich nicht an Ort und Stelle. Sie war im Grunde die gutmüthigſte und herzlichſte alte Seele von der Welt und geberdete ſich nur zuweilen, wo etwas nicht grade nach ihrem Kopf war oder man ihr etwas hinein⸗ geſetzt hatte, ziemlich obſtinat. Dazu kam, daß ſie ihr und ihres Gatten Eigenthum hübſch zuſammenhielt und noch immer gern ein wenig ſßparte,


