Von Edmund Hoefer. 7
dem Zimmer hat nichts auf ſich, wir brauchen's ſonſt heut nicht, und um die Zeche grämt Euch auch nicht, die ſoll Euch nicht ſchwerer werden als anderwärts. Kommt nur— hier herein!“ Und damit ging er ihr voran in unſere Wohnſtube, ſchob ihr einen Stuhl an den Tiſch, hieß ſie Platz nehmen und ſetzte ſich ſelber in den Großvaterſtuhl ihr zunächſt.
Die Mutter kam mit dem Kaffee— verdrießlich war ſie wohl noch, auch über den Beſuch in ihrer Stube, aber ſie ließ es nicht viel merken, dieweil ſie das vor dem Alten, der nun einmal die Partei ſeines Gaſtes genommen, nicht recht riskirte und obendrein auch wohl ein wenig neu⸗ gierig war. Die Fremde aber nahm nur eine Taſſe und ein Stücklein Brod und ſchien auch das kaum herunter zu bringen. Seit ſie da in der Stube ſaß, wo's freilich ſo recht heimlich und wohnlich, und der Alte ſie freundlich anblickte und die Mutter doch am Ende auch immer gutmüthiger herankam, war ſie ganz wehmüthig geworden und in den blauen Augen ſaßen ihr die großen Thränen.„Gott lohn's euch,“ ſagte ſie einmal über das andere.„So gut iſt's mir lange nicht geworden.““ Und end⸗ lich ſchüttete ſie den Eltern und mir, denn ich wäre um's Leben nicht hinausgegangen, ihr ganzes Herz aus.
Sie war die Tochter des alten Poſtmeiſters in Gernsbach—„den hab' ich wohl gekannt,“ ſchob mein Vater ein,„und darum kamt Ihr mir auch gleich bekannt vor, Mamſell. Habe da vordem ſo ein blond⸗ haarig und blauäugig Dingelchen herumſpringen ſehen!“— hatte ihre Mutter früh verloren und ſeitdem eine Stiefmutter erhalten, die es eben mit ihren eigenen Kindern hielt und ſie zurückſetzte. Sie ſagte das nicht, contrair entſchuldigte ſie die Frau, daß es gar knapp zugegangen, zumal ſeit vor dem Jahr der Vater geſtorben, und daß ſie ſelber auch hie und da etwas zu vergeßlich und ruſchelig geweſen und habe ausgezankt werden müſſen. Allein man merkte ſchon wie es war und am beſten daran, daß die Mutter ſie endlich ganz von ſich gegeben, ſie mit ihren ſieben Sachen auf die fahrende Poſt geſetzt und ſte ohne Umſtände und ſogar, wie ſte hernach erfuhr, ohne Ankündigung nach Bornfeld zu einer Schweſter des Vaters geſchickt, die dort verheirathet lebte.
Wie ſie in Bornfeld ankam, ging dem Faß der Boden ganz aus— ſie fand die Verwandte auf ihrem Todtenbett und ſchon faſt beſinnungs⸗ los, das Haus in der natürlichen Aufregung und Zerſtörung. Verkehr
atten ſie mit dieſen Verwandten, auch als der Poſtmeiſter noch lebte,


