Von Edmund Hoefer. 5
geſagt, wle es mit unſerem Logis ſtand; allein ich ſah mir die Fremde denn doch auch an und fand ſie, wie Joachim ſie bezeichnet— es war ſicherlich guter Leute Kind und ſah, wie beſtaubt ihre Kleidung auch ſein mochte und obſchon dieſelbe überhaupt nicht von den feinſten war, ſo ſauber und reputirlich aus und ſchien dabei ſo mächtig herunter, daß es mich recht von Herzen bewegte und ich gleich an Nummer Eins dachte, die wir ja frei hatten.„Wenn's nur bis morgen iſt—,“ ſagt' ich und ſah ſie dabei an.—„Ach lieber Herr,“ ſprach ſte ganz ſanft und demü⸗ thig,„'s iſt mir nur um ein Eckchen zu thun, wo ich mich ein bischen ruhen kann, denn es geht nicht weiter. Aber morgen werd' ich's können und muß ich's können.“—„So kommt nur, Mamſell,“ ſagt' ich wieder und war ſchier noch tiefer bewegt, denn ſie war zum Umſinken,„das Zimmer iſt ſchon da.“ Und damit führt' ich ſie treppauf in Nummer Eins— eine Kammer hätten wir wohl auch noch gehabt, aber die hätt' ich ihr eben gar nicht anzubieten gewagt— und als wir in der Stube waren, fiel ſie auf einen Stuhl und bat nur ganz leiſe um ein Glas Waſſer.
Da ging ich denn hinab und ſchickte die Line, die das Zimmer hatte, mit Waſſer hinauf und beſtellte auch einen Kaffee, denn ich hatte ja ge⸗ ſehen, wie es ſtand, und ein mächtig Erbarmen mit dem armen Dinge gefaßt. Aber das bekam mir ſchlecht; die Line konnte kaum wieder herun⸗ ter ſein, da ſchoß meine Mutter vom Hofe herein, mit grimmigen Vor⸗ würfen auf mich los, ſo daß ich gar nicht zu Worte kam; und als ich mich in die Küche retirirte um nach dem Kaffee zu ſehen,— haben ſollte die Fremde ihn und hätt' ich ihn ſelber bezahlen müſſen!— da faßte ſie inzwiſchen den heimkehrenden Alten und hetzte ihn auf, und der— doch das habe ich ja ſchon berichtet, wie zornig er gezankt, wie ich ihn zur Raiſon gebracht und wie er endlich die Mutter gerufen.
Die Alte aber war eine„kluge Frau“, die, da ſie ſeine Stimme hatte leis werden hören, ſich ſchon dachte, wie es zwiſchen uns ſtand, und beeilte ſich nicht grade dem Rufe zu folgen, ſo daß der Herr Vater ihn alsbald noch etwas kräftiger wiederholte und ihn eben zum drittenmal erſchallen laſſen wollte, als von oben die Treppe herab— wir ſtanden auf dem Flur, an ihrer unterſten Stufe— das Frauenzimmer ſelber kam, über das all der Zank losgegangen. Ich ſah's wohl, ſie hatte den Staub aus ihren Kleidern geſchüttelt, ihr Haar geglättet und ein ſauberes Tüch⸗


