Jahrgang 
1 (1864)
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4 Memoiren eines alten Gaſt wirths.

ſie auch etwas Tüchtiges erworben, ihrer in Frieden genießen konnten. So ſollte ich denn nur erſt das Geſchäft daheim wieder kennen lernen und es dann ſelber übernehmen. Das war bereits brieflich und dann auch in den erſten Tagen nach meiner Rückkehr mündlich abgemacht. Nun war ich etwa vierzehn Tage oder ſo was daheim; es war im Frühling und die Oſtermeſſe, wie wir ſie hießen, vor der Thür. Damit nahm die ſtille Zeit ein Ende und das Reiſen begann, ja für die nächſten Wochen waren alle Zimmer unſeres Hauſes bis auf die beiden vorderen, welche wir für unvermuthete Gäſte ſtets reſervirten, von fremden Meßbe⸗ ſuchern und langjährigen Kunden unſeres Hauſes beſtellt, und die Leute mußten heut oder morgen eintreffen. Da kam um halben Nachmittag der Vater war ausgegangen, die Mutter mit den Mägden, wie ſchon ge⸗ ſagt, auf dem Hofe, Kellner hielten wir einſtweilen nicht des Boten Joachim Müller Planwagen vor's Haus gefahren um ein paar Anker Rum und Cognack, die wir beſtellt, abzuladen. Ich lehnte grad' in der Thür und überſchlug mir, was ich wohl alles zu ändern haben werde, wenn ich erſt das Haus übernommen. Denn es war bei uns frellich alles gut und ſolid, aber wie man's anderwärts derzeit ſchon fand und erwarten konnte, wollte unter der Alten Regiment hier noch nicht ſichtbar werden. Gut alſo, ich rief den Knecht und faßte auch ſelber mit an und achtete dabei wenig darauf, daß gleich nach dem alten Müller noch eine Perſon aus dem Wagen gekrochen, ein Frauenzimmer, das beſcheiden zur Seite ſtand, um uns nicht im Wege zu ſein. Erſt da wir die Gefäße in's Haus gerollt und aufgeſtellt und ich dem Joachim die Fracht be⸗

zahlte, ſagte er:Gottfriedchen er hatte mich groß werden ſehen und machte keine Umſtände mit mirGottfriedchen, ſagt' er,da

iſt das Frauenzimmer, das ich unterwegs fand und mitnahm. Es iſt'n armes Ding, obſchon guter Leute Kind, wie's ſcheint, ſaß todmüde am Wege und konnte nicht weiter. So packt' ich ſie auf und hab' ihr auch verſprochen, ſie unter Dach und Fach zu bringen, und ihr könntet ein chriſtlich Werk thun und ſie bei euch ſich ein wenig ausruhen laſſen, denn es iſt mit ihr ſchier Matthäi am letzten. Deine Alten ſind ja wackere Leut' und werden's ihr billiger machen als anderwärts geſchieht. Um⸗ ſonſt will ſie nichts haben, hat auch mich ganz anſtändig bezahlt, obſchon ich's ihr gern geſchenkt hätte.

Ich ſchüttelte den Kopf und zuckte die Achſeln, denn ich habe ſchon

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