Jahrgang 
1 (1864)
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Von Edmund Hoefer. 3

zu ſein; da ſie nun aber einmal da war.Werden's gleich ſehen, unterbrach er mich.Mutter he Alte! Wo ſteckſt? Heran hier! Gegen mich war ſeine Hitze zur Ruh' gekommen, für die verehrte Frau Mama jedoch bereitete ſich in ihm ein ganz nettes neues Stücklein vor, und Gott verzeih' mir die Sünde, aber in dem Augenblick gönnte ich ihr's, dieweil ſie's mit mir ein wenig gar zu arg gemacht und mich ab⸗ gekanzelt ſchlimmer als einen Schuljungen oder Lehrling.

Meine Eltern hatten wohl jung geheirathet, wie's damals überhaupt noch Mode war, und es waren auch bald ein paar Kinder gekommen, allein zu meines Vaters Verdruß nur Töchter die nachherige Schwa⸗ nenwirthin in Hersfeld und die Altermann Löllhardt hier in der Stadt denn der Alte wollte einen Erben für ſein Haus, das nun ſchon von ſeinem Großvater her in gutem Anſehen und Ruf ſtand, und meinte, daß dafür ein Sohn allein der Rechte ſei, während man ſelbſt beim beſten Schwiegerſohn noch immer nicht wiſſen könne, was daraus werde. So war denn auch die Freude groß, da ich eines ſchönen Tags noch hinter⸗ drein kam, als man mich gar nicht mehr recht erwartet hatte, und es iſt zu denken, daß man alles that, um mich zu einem perfecten Menſchen und Gaſtwirth zu machen.

Hab' einen guten Kopf gehabt, meinen Schulſack tüchtig vollgepackt, mich auch in freien Stunden ordentlich in der Wirthſchaft umhergetummelt und bin, als Magiſter Spätfuchs mich konfirmirt hatte, ganz zu ihr über⸗ gegangen. Als ſich bald hernach aber Handel und Wandel wieder hob und die neue Straße über Hersfeld großen Verkehr brachte, meinte mein Vater, jetzt ſei's an der Zeit unſer Haus zu vergrößern und ein wenig zu moderniſtren, und ſchickte mich deßhalb zu meiner rechten Ausbildung auf ein paar Jahre in die Reſidenz zu ſeinem alten Freunde Degener, der dort ſein HausDer Römiſche Kaiſer zu einem der erſten ganz Deutſchlands gemacht hatte. Da bin ich drei Jahre geblieben, habe ſo ziemlich alles geſehen und erfahren, was es im Gaſthofleben gibt, und tüchtig profitirt, ſo daß ich, als der Alte, dem es allgemach daheim zu viel wurde, mich zurückrief, ein ausgelernter Menſch war und jeden Tag mit Ehren hätte unſer Haus übernehmen können. Dazu war auch die beſte Ausſicht vorhanden. Der Alte hatte ſchon ſeine Sechzig auf dem Rücken und dle Mutter nicht viel weniger. Gearbeitet und geplagt hatten ſie ſich ihr Lebenlang, ſo daß ſie ſich ihre Ruhe ehrlich verdient und, da

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