Ein deutſcher Muſiker des 17. Jahrhunderts.
478
300 Thaler zum wenigſten habe er den armen Leuten ſchon vorgeſchoſſen. Der Baſſiſt Kaiſer ſtecke wie eine Sau im Kothe, habe kein Bettwerk, liege auf Stroh, hätte allweil Mantel und Wamms verſetzt. Es ſei weder löblich noch chriſtlich, daß bei ſo löblichen großen Landen, worin hiebevoren ſo vielen Regierungen Mönche⸗ oder Pfaffengeblöcke haben können unterhalten werden, jetzo nicht zwanzig Muſikanten können oder wollen verpflegt werden.“ Derſelbe Kaiſer bat in dieſem Jahre um eine Gehaltszulage:„weil ich über vierzehn Jahre des öſterreichiſchen und ungariſchen ſtarken Weines gewohnt und alſo das Bier allhier zu Lande
ganz und gar nicht trinken kann, denn es mir nur den Magen erkältet und ganzen Leib— wie zu ſehen— aufdoßet, daß alſo nur einig und
allein wegen des Weines, welcher hier in etwas theuer, mit meiner Be⸗ ſoldung mich kaum hinbringen könnte, geſchweige Weib und Kind er⸗ nähren.“ Dieſer gute Mann mochte alſo nicht ganz ohne Schuld an ſeinem Schickſal ſein, wie auch Schütz im folgenden Jahre über ihn ſchrieb: „Er iſt nicht anders als eine Beſtie im Walde verwildert, er will aus Pe
r Mangel durchaus davon gehen, iſt aber ſchade und immer ſchade um ſolche
a köſtliche Stimme, daß ſie aus der Kapelle verloren gehen ſolle. Wahr iſt's, daß ſonſt an ſeinem Humor nichts ſonderlich Taugliches und ſeine Zunge täglich will in der Weinkanne abgewaſchen ſein, allein eine ſolche weite Gurgel bedarf auch mehr Näſſe als manche enge und ob der gute Kerl ſeine geringe Beſoldung, ſie beträgt 160 Gulden jährlich, gleich auf⸗ richtig bekäme, würde ſie doch zu großen Banketten nicht reichen, und wenn man dieſes armen Kerls Gouvernement und Haushaltung recht er⸗ kennen wollte, ſollte man ihm ſein gering Bißlein nur zu rechter Zeit geben; als lange aber ſolches nicht geſchieht, kann man ihn gleichwohl für einen großen Verſchwender auch nicht ausrufen.“
Schon 1641 hatte Schütz dem Kurfürſten zur neuen Erhebung und Beſſerung ſeines ihm ſo ſehr am Herzen liegenden Corpus musicum Vor⸗ ſchläge gemacht und vor allem auf die Heranbildung von neu anzuneh⸗
3 3
menden Kapell⸗ und Inſtrumentiſtenknaben als auf das wohlfeilſte und ſicherſte Mittel zur Bildung der neuen Kapelle Bedacht genommen. Zu
gleicher Zeit faßte auch Johann Georg II., als Kronprinz, der ſeinen A Vater noch in der Neigung und im Verſtändniß für die Muſik übertraf, den Plan einer beſonderen kurprinzlichen Kapelle, bei deren Herſtellung


