Jahrgang 
4 (1863)
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Von Johannes Falke. 477

der Noth; er mußte aber dem königlichen Hofe noch lange Zeit nach⸗ reiſen, bis er ſeinen Wunſch erreichte. Da er ſich bei dieſer Gelegenheit ohne Urlaub von Dresden entfernt hatte, ſchrieb er an den Marſchall zur Entſchuldigung:Gott im Himmel iſt bewußt, daß manchmal in dreien Tagen nicht nur das liebe trockene Brod, vielweniger andere Bedürfniſſe in meinem Logement vorhanden, dazu muß ich mich ſammt Weib und Kind, wegen nicht Erlegung des Hauszinſes, anjetzo an der Mauer in einem Logementchen über einem Stalle ganz kümmerlich behelfen, da mir dann der Feuchtigkeit halber wie auch ſonſten im naſſen Wetter, meine mit ſchweren Unkoſten erzeugten Inſtrumente in Grund und Boden gehen. Von dem ganzen Zuſtand der Kapelle gibt folgende, ziemlich lakoniſche Bittſchrift des Vicekapellmeiſters Zacharias Heſtius ein ſprechendes Bild: Den durchlauchtigſten Kurfürſten erſucht Endesbenannter, weil, beſonders in vor⸗ und abermaligen Abweſen Heinrich Schützen, die Beſtellung der Muſik bei dem Gottesdienſt ex officio ihm obliegend geweſen, ſolche aber mit deſto viel ſchwererer und größerer Mühe anjetzo zu ertragen, wann nach Abſterben, auch Ausreiſen und Abtreten mehrentheils der Kurf. Ka⸗ pelle zugethanen Vocaliſten und Inſtrumentiſten, mit ſo wenigen Perſo⸗ nen ohne Abwechſelung continue zu muſiciren, und ſonderlich in deutſchen Liedern die Stimme zu halten ſein will, nicht ohne Empfindung und öf⸗ teren Mangel der Natur, an Odem und Leibeskräften: daß ſeine Kurf. Durchl. gnädigſt geruhen wollen, befehlen zu laſſen, damit zu ſeiner Er⸗ holung und beſſerem Fortkommen, von denen durch Gott gegebenen Stärk⸗ und Erhaltungsmitteln natürlicher Lebenskräfte, wo nicht täglich doch wöchentlich ein gewiſſer Trunk Wein und Biſſen Brod aus der Hofkellerei ihm abgefolget werden möge.

Die Noth der Kapelliſten dauerte aber noch lange und als nach dem Friedensſchluſſe die Kapelle ſchon einigermaßen wieder hergeſtellt war, konnte dennoch die allgemeine Noth ihrer Mitglieder bei der übergroßen Zerrüttung der kurfürſtlichen Finanzen ſo wenig gemildert werden, daß die Kapellmeiſter im Auguſt 1651 dem Kurfürſten meldeten, das Elend der Kapelliſten ſei ſo groß, daß es auch einen Stein in der Erde erbar⸗ men möge, und Schütz klagte:lieber wolle er Kantor oder Organiſt in ſeinem kleinen Städtlein ſein, als länger bei ſolchem Zuſtande bleiben. Er müſſe, wenn es ſo fortgehe, einen Zufluchtsort anderswo ſuchen, denn