Jahrgang 
4 (1863)
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76 Ein deutſcher Muſiker des 17. Jahrhunderts.

bin, ſich dieſes ganze Werk ſehr verändert, und diejenige Muſik, welche zu fürſtlichen Tafeln, Komödien, Balleten and dergleichen Repräſentatio⸗ nen dienlich iſt, ſich jetzo merklich verbeſſert und zugenommen hat, ſo hab' ich ja freilich dringende Urſach, E. Kurf. Durchl. unterthänigſt an⸗ zulangen, daß Sie, als von Gott eingeſegneter Potentat, welchem es ein geringer Abgang ſein wird, mir auch für dieſes Mal mit etwas extra⸗ ordinarie zu ſtatten kommen und in Wechſel herein verordnen laſſen wollten. Daraufhin ſchickte ihm der Kurfürſt auch alsbald 400 Thaler und ſpäter noch 300 Thaler, da er für ſeine muſikaliſchen Erwerbungen bedeutende Schulden gemacht hatte.

Nach ſeiner Rückkehr begann bald für die Kapelle, ſein geliebtes Corpus musicum, die Zeit der Noth. Die Ereigniſſe und kriegeriſchen Vorbereitungen des Jahrs 1630 nahmen alle öffentlichen Geldkräfte für das Heerweſen in Anſpruch, ſo daß ſchon in dieſem Jahre alle die Zah⸗ lungen für die Kapelle zu ſtocken begannen. Im Jahr 1631 zeigte ſie ſich noch einmal in vollem Glanze in Begleitung des kurfürſtlichen Hofes auf der Leipziger Fürſtenverſammlung, denn auf ſeinen größeren Reiſen, insbeſondere zu ſolchen Conventen und Feierlichkeiten, war der kurfürſt⸗ liche Hof gewöhnlich von der ganzen oder einem Theil der Kapelle be gleitet. Dieſes war aber auch das letzte glänzende Auftreten der damals über Deutſchlands Grenzen hinaus berühmten Kapelle, und im folgenden Jahre war ſchon der Klagen und Bitten und des allgemeinen Jammers bei den Muſikern kein Ende. Die einzelnen Mitglieder der Kapelle ge⸗ riethen bald in's tiefſte Elend und waren mit ihren Familien dem Hunger⸗ tode nah, denn trotz des verzweiflungsvollſten Flehens konnten ſie bei der allgemeinen Noth und Geldbedürftigkeit keine Hülfe finden. Mit der größten Aufopferung und Thätigkeit nahm ſich in dieſer allgemeinen Be⸗ drängniß, die auf ihm ſo ſchwer wie auf jedem anderen laſtete, Schütz der Kapelle an, ſuchte überall mit Troſt und Rath aufzurichten, mit Zu⸗ reden zuſammenzuhalten, mit nicht unbedeutenden Vorſchüſſen die ſchlimmſte Noth zu mildern und durch Vorſtellungen und Drängen bei Hofe die ſtockenden Gehaltszahlungen flüſſiger zu machen.

Einzelne Briefe aus dieſer Zeit geben von dem unverdienten Elend dieſer meiſtens trefflichen Künſtler ein ebenſo lebhaftes wie herzzerreißendes Bild. Der Harfeniſt Elias Pinkler ſuchte im Jahr 1632 durch die Ueber⸗ reichung einer Harfe an Guſtav Adolf bei dieſem Fürſten einige Hülfe in