Jahrgang 
4 (1863)
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474 Ein deutſcher Muſiker des 17. Jahrhunderts.

Kittel dazu ein Stipendium von jährlichen 300 Gulden und der Geiger Grünſchneider lebte längere Zeit zu ſeiner Ausbildung am Hofe der Groß⸗ herzogin von Toscana. Daneben berief man aber auch Künſtler direkt aus Italien, und Schütz hielt es bei ſeiner zweiten Reiſe nach Italien die in's Jahr 1629 fällt, für ſeine Hauptaufgabe, ſich nach italieniſchen Künſtlern umzuſehen und ſolche für ſein corpus musicum zu gewinnen. Nach dem dreißigjährigen Kriege wurde es bei den deutſchen Fürſten zur Leidenſchaft, italieniſche Caſtraten und Inſtrumentiſten in ihren Dienſten zu haben, und es entſtand faſt Feindſchaft zwiſchen den Höfen, wenn einer dem andern ſolchen Künſtler abſpenſtig gemacht hatte. Bis zum Jahr 1631 waren trotz des genommenen Aufſchwunges die Verhältniſſe der kurfürſtlichen Kapelle noch zu beſcheiden und zu einfach, als daß fremde und meiſt anſpruchsvolle Künſtler in größerer Anzahl davon hätten be⸗ rufen werden können. Wir haben geſehen, daß der Geſammtaufwand für die Kapelle kaum über 3000 Gulden betrug, davon erhielt Schütz als Kapellmeiſter den damals außerordentlichen Gehalt von 400 Gulden, der Vicekapellmeiſter 350 Gulden und ein Hofkleid, mußte aber dafür noch Unterricht in Muſik und Latein den Kapellknaben geben, und die Inſtru⸗ mentiſten der Kapelle erhielten jährlich 150 200 Gulden. Dazu kamen dann außerordentliche Gratifikationen, 1020 Thaler für Inſtrumental⸗ unterricht, die Lieferung von einer Kanne Wein täglich aus dem Hof⸗ keller, Holzlieferungen zu beſtimmten Zeiten, auch wohl die Verabreichung eines Hofkleides u. ſ. w.

Wie ſehr die damaligen deutſchen Muſiker, gleich den Malern und Bildhauern unſerer Zeit, Italien als die hohe Schule ihrer Kunſt an⸗ ſahen und von unwiderſtehlicher Sehnſucht dorthin beherrſcht wurden, be⸗ weist auch Schütz durch ſeine zweite italieniſche Reiſe, von der er ſich durch nichts wollte abbringen laſſen. Lange bat er vergeblich den Kur⸗ fürſten um Urlaub dazu, dieſer konnte und mochte ihn bei ſeiner Kapelle und ſeinen muſikaliſchen Unterhaltungen nicht entbehren. Da ſchrieb Schütz endlich ſeinem kurfürſtlichen Herrn in ſo entſchiedener und zugleich über⸗ zeugender Weiſe, daß er im Jahr 1628 die Erlaubniß zur Reiſe erhielt. Dieſes unterthänigſte, kleine und furchtſame Memorial, ſchrieb er, er⸗ ſcheinet vor E. Kurf. Durchl. in allergehorſamſter Devotion, Deroſelben gewährige, gnädigſte und endliche Reſolution erwartend wegen meiner fürhabenden und ganz zugeſchickten Reiſe in Italien. Denn wenn die,