472 Ein deutſcher Muſiker des 17. Jahrhunderts.
Durchl. zu ſonderem Ruhme in der That erwieſen habe, was er diesfalls zu präſtiren vermag.“
Der Landgraf Moritz aber will von Schütz durchaus nicht laſſen und wenn er ihn auch bei der Muſik miſſen könnte, ſo würde er ſeiner doch in anderwege ſchwerlich entrathen, und macht deßhalb den Vorſchlag, daß Schütz wenigſtens in ſeiner Hausbeſtallung und Pflichten bleibe, damit er ſeiner bei vorfallenden Gelegenheiten gleichfalls gebrauchen könne. Doch Johann Georg war noch zäher und erreichte, da er einmal den Künſtler nicht von ſich laſſen wollte, endlich auch ſeinen Zweck, ſo daß der Landgraf am 16. Januar 1617 ſchrieb:„— Gleichwie ich mich nur gar bald erinnern können, daß Schütz E. L. angeborner Unterthan und dahero ſchuldig iſt, vor allen andern Herrſchaften E. L. zu dienen, alſo habe ich mich nunmehr dahin reſolviret, E. L. auch in Dero ferneren Erſuchen dienſtfreundlich zu willfahren.—— Wünſche E. L. zu dem nun ganz überlaſſenen Diener von dem Allmächtigen Glück und Segen und bitte Sie freunddienſtlich daneben: Sie wollen gedachten Heinrich Schützen auch um meinetwillen deſto mehr gnädigſt laſſen befohlen ſein.“ So trat Schütz im Jahr 1617 im zwetunddreißigſten Lebensjahre als Kapell⸗ meiſter in kurſächſiſche Dienſte, ſtand ſeitdem fünfundfünfzig Jahre, bis zu ſeinem achtundachtzigſten Lebensjahre, mit rüſtiger und unermüdlicher Thä⸗ tigkeit der Dresdener Hofkapelle vor und erwarb ſich als ſolcher einen weitverbreiteten Ruhm als Dresdens einflußreichſter und berühmteſter Muſtiker und als„allerbeſter deutſcher Komponiſt und fürtrefflichſter Kapell⸗ meiſter.“
Nachdem Schütz für Sachſen einmal unzweifelhaft gewonnen war, wandte er auch alle ſeine Kraft auf die Hebung der kurfürſtlichen Kapelle, ſeines corpus musicum, wie er dieſelbe in ſeinen Briefen gerne nannte. Unter ihm erlebte dieſelbe in dem nächſten Jahrzehend ihre ſchönſte Blüthe⸗ zeit, die dann im Jahr 1631 durch den Anfang des für Kurſachſen ſo verderblichen ſchwediſchen Krieges vernichtet wurde, ohne aber Schützens künſtleriſchen Eifer und bedeutungsvolles Wirken auf die Dauer nieder⸗ ſchlagen zu können. Vielmehr ſollte dieſe Zeit der Noth und Drangſale die Kraft des trefflichen Mannes in einer Weiſe ſteigern, daß er ebenſo ſehr durch ſeinen reinen, nicht umzubringenden Eifer für ſeine Kunſt wie durch ſeine jetzt heraustretenden edlen Charaktereigenſchaften ſich einen würdigen Platz unter den Beſten aller Zeiten erworben hat.— Die Ka⸗


