470 Ein deutſcher Muſiker des 17. Jahrhunderts.
wenn auch anders gearteten Aufſchwung zu nehmen. Vor allem war es ein Meiſter, der über ein halbes Jahrhundert unter allen Wechſelfällen eines unſeligen Krieges mit der unermüdlichſten und uneigennützigſten Thätigkeit an der Spitze ſtand und dieſe Kapelle und das muſikaliſche Leben in Dresden zu einem Gegenſtand der Bewunderung und des Neides ſelbſt für die Italiener und zu einer unvergeßlichen Bedeutung für die Geſchichte der deutſchen Muſik emporhob.
Heinrich Schütz, oder, wie er ſich ſelbſt gern, nach damaliger Sitte ſeinen Namen latiniſtrend, nannte, Sagittarius, wurde am 8. Ok⸗ tober 1585 zu Köſtriz als Sohn nicht unbemittelter Eltern geboren. Ueber ſeine Jugendzeit und ſeinen Bildungsgang gibt er ſelbſt in einem ſpäteren Briefe vom 14. Januar 1651 an den Kurfürſten Auskunft. Nach demſelben lebte er bis zu ſeinem dreizehnten Jahre im elterlichen Hauſe zu Weißenfels und ſeitdem faſt ununterbrochen in der Fremde. Zuerſt diente er einige Jahre als Kapellknabe in der Kapelle des Landgrafen Moritz von Heſſen, übte aber neben der Muſik fleißig die lateiniſche und andere Sprachen, da es ſeiner Eltern Wille keineswegs war, daß er von der Muſik„Profeſſion“ machen ſollte. Nach einigen Jahren ging er deß⸗ halb mit ſeinem Bruder, der als Doctor juris und Mitglied des Leipziger Oberhofgerichts ſtarb, auf die Univerſttät Marburg, wurde aber bald darauf wieder durch den Landgrafen für die Muſik gewonnen, indem dieſer ihm zu einer Bildungsreiſe nach Italien ein Stipendium von 200 Thalern jährlich anbot. Im Jahr 1609 zog der junge Muſiker voll Hoffnung und Plänen nach Venedig, gab ſich ganz in die Schule des Johann Ga⸗ brieli, konnte nach drei Jahren ſchon ſein erſtes muſikaliſches Werk,„Buch der fünfſtimmigen Madrigale“, mit großem Lobe der damals berühmten und urtheilsfähigen Meiſter drucken laſſen und dem Landgrafen als Zei⸗ chen ſeines Dankes zuſchicken. Als nicht lange darauf ſein verehrter Lehrer ſtarb, der in ſeinem Teſtamente dem deutſchen Schüler zu gutem Andenken einen ſeiner Ringe vermacht hatte, kehrte Schütz im Jahr 1613 nach Deutſchland zurück, mit der Abſicht, wie er in ſeinem Briefe ſagt, noch einige Jahre ſich mit der gelegten guten Grundlage in der Verbor⸗ genheit zu halten und ſich dann mit der Herausgabe einer größeren Arbeit würdig hervorzuthun. Doch ſeine Eltern und Verwandten mißtrauten noch immer ſeinem künſtleriſchen Beruf und verlangten, daß er ſeine Bücher wieder hervorſuchen und die verlaſſene wiſſenſchaftliche Laufbahn von neuem


