468 Phyſiognomien der Schweizer⸗Seen. Von L. Hermann.
treten und nur der klare, von einzelnen hellen Wolken belebte Sternen⸗ himmel blickte auf meine nächtliche Fahrt. Rings um mich her ſah ich Berggeiſter ſich erheben, bald rieſengroß und gewaltig, zürnend auf den Sterblichen herabblickend, der ihre Ruhe zu ſtören wagt, bald gleich un⸗ förmlichen Kobolden grinſend mich anſtarrend; in dem ſchwarzen See ſich ſpiegelnd, ſchienen mächtige, unkenntliche, vielförmige Bildungen aus dem Waſſer heraufzuſchauen, und durch die Luft leichte verſchwimmende Geſtalten des Nebels hinzuziehen.— Es war eine Fahrt, die ich nie vergeſſen werde, und die mir noch jetzt wie ein wundervolles ſchauerliches Märchen erſcheint, das ich in der Vergangenheit durchlebte.—
Als wir in Flüelen ankamen, ſchlief bereits alles, und erſt nach wiederholten heftigen Anſtrengungen gelang es mir einen ſchläfrigen Kellner herauszupochen, der auch mir zu einem Bette verhalf.


