Von Bernd von Guſeck. 5
belohnenden Ausſichten auf den Hügel führte, an deſſen Fuß das Kloſter lag, ſo hatten an dieſem Tage zwei Männer ſie dennoch erſtiegen und waren überraſcht geweſen von dem Bilde, das plötzlich vor ihnen aufge⸗ rollt lag. Hier blickten ſie in das Blättermeer der prächtigen Buchen⸗ waldung, welche den ſanften Abhang des Hügels bekleidete, auf der grünen Halde lag das Kloſter, ein ſüßer Friede ſchien hier zu walten, wie ihn die Bruſt des einen der Wanderer niemals gefühlt hatte. Wandten ſte ſich aber rückwärts, von wo ſie die ſteile Klippenſchlucht mühſam emporgeklettert waren, ſo breitete ſich zu ihren Füßen ein ſpiegelklarer Weiher in des Abendroths Gluten aus, an deſſen Ufer ein weißes Land⸗ haus lag, halbſichtbar zwiſchen maleriſchen Baumgruppen, und darüber hin ſchaute das Gebirg mit ſeinen aufgethürmten Maſſen, im Zauberlichte der wunderbarſten Beleuchtung, vom glühendſten Roth zum tiefſten Pur⸗ pur, durch Violet in das herrlichſte Blau. Der eine der Wanderer warf ſich, ohne ein Wort zu ſagen, auf den Grund, ſtützte ſeinen Kopf mit der Hand und blickte ſtumm hinaus in die Landſchaft. Es war ein ſchlanker Mann, deſſen Züge von ſchnell verlebter Jugend oder zehrenden Leidenſchaften ſprachen; er glich einer ſchönen Ruine, an der es nicht zu verkennen, daß ſie von ſchlimmen Gäſten gewaltſam zerſtört worden, nicht unabwendbar von der Zeit, denn der Mann mochte wenig über dreißig Jahre zählen. Der Zweite war in vielem der Gegenſatz ſeines Gefähr⸗ ten; ſeine Geſtalt erreichte kaum die Mittelgröße, ſein Geſicht war faſt häßlich zu nennen und eine große blaue Brille ließ den Ausdruck ſeiner Augen, der es vielleicht verſchönt hätte, nicht erkennen. Er folgte dem Beiſpiele des Erſten und ſetzte ſich bedächtig zu ihm nieder, den ſtarken Wanderſtock zwiſchen den Knieen haltend.
„Du bleibſt alſo dabei?“ fragte er ihn.„Hörſt wohl gar nicht, was ich rede?“—„Ich muß ſie wiederſehen!“ rief der Erſte, der ihn allerdings groß und zerſtreut angeſehen hatte, als habe er gar nicht ver⸗ nommen, was jener ihn gefragt.—„Zu welchem Zweck?“ verſetzte der Andere wieder.„Was ein vernünftiger Menſch unternimmt, muß doch ſeinen Zweck haben! Was beabſichtigſt du mit dieſem Wiederſehen, das doch beiden Theilen kein erfreuliches ſein kann?“—„Oh ſchweige nur, ſchweige, Sulzach, mit deinem kalten Verſtande! Du haſt mich nie be⸗ griffen und wirſt mich nie begreifen, weil du keine Ahnung davon haſt, daß in des Menſchen Bruſt Dämonen hauſen!“—„Trichynen, Beſter,
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