Jahrgang 
4 (1863)
Einzelbild herunterladen

2 Die Freifrau.

quelle entdeckt worden, alle Beläſtigung zu erſparen. Auf der ganzen mühſeligen Wanderung fand ſich kein Haus, keine Waldhütte, wo man eine Erfriſchung bekommen hätte, und dem Meier des Kloſters war ver⸗ boten, Luſtreiſende aufzunehmen oder ihnen etwas zu verabreichen. Ueber dieſe Verfügung der Kirchenobern hatte es eine Correſpondenz mit der landesfürſtlichen Badedirektion gegeben, welche darin eine harte und menſchenfeindliche Maßregel erblickte. Es war aber dabei verblieben, wie auch der Grundherr der Gegend, der zugleich Amtshauptmann war, ſich durch nichts hatte bewegen laſſen, die Anlage eines Parkwegs vom Bade zum Kloſter, wozu ihm der Plan vorgelegt worden, über ſein Territorium zu dulden. Sein Geſchlecht, früher reichsunmittelbar, hatte vor Alters die Schirmvogtei über das Kloſter beſeſſen, welche ſpäter bei der Mediati⸗ ſirung der Reichsritterſchaft auf den Landesherrn, dem der Großvater des jetzigen Beſitzers unterworfen worden, mit anderen Rechten übergegangen war. Um ſo weniger wollte aber der Amtshauptmann jene Anlage eines Verbindungsweges dulden, durch welche das Kloſter, wenn ſeine Mauern ſelbſt auch nicht betreten werden durften, täglich durchPartien der Badegäſte in ſeinem Frieden geſtört worden wäre. Denn die Gegend, in welcher es lag, war reizend genug, Beſucher anzulocken. Von der Chauſſee, welche durch den Wald nach dem Gebirgsbade führt, zweigt ſich ein un⸗

ſcheinbarer grüner Weg ab welcher Wanderer mochte ihn aber ein⸗ ſchlagen, wenn er nicht etwa durch einen beſonderen Hang zur Einſamkeit

dazu verleitet wurde? Dieſer Zugang zum Kloſter von der Seite des flachen Landes war ziemlich bequem und konnte auch befahren werden, was jenſeits, vom Bade her, das überdies zwei oder drei Stunden für einen rüſtigen Fußgänger entfernt lag, ganz unmöglich war. Auf dieſem Wege wurde der Verkehr des Kloſters mit der Welt, ſoweit derſelbe durch die wirthſchaftlichen Verhältniſſe deſſelben oder die perſönlichen Beziehungen er einzelnen Kloſterfrauen bedingt war, unterhalten, von hier kam der Beichtvater, kamen die Kirchenobern, wenn ſie den Convent beſuchten. hätten ſie hier zu ſchaffen gehabt, wenn ſie nicht ein be⸗ ſtimmter Anlaß nach Marienkreuz geführt hätte?

ſolcher Anlaß mochteà 1 8 ſolcher Anlaß mochte es ſein, welcher an einem heißen Sommer⸗ tage einen ſchwerbepackten Reiſewagen von der Chauſſee in den heimlich

dunkeln Waldweg ablenken ließ, der aus der brennenden Glut der breiten e

e in den ßr⸗ abr. ze in den küblen wohlthuenden Schatten hineinführte. Der