Jahrgang 
4 (1863)
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von

Bernd von Guſeck.

1.

In den Vorhügeln des Gebirges, wenig entfernt von der Straße, welche in ein kleines, aber viel beſuchtes Bad führt, und dennoch in tiefſter Einſamkeit, liegt ein Frauenkloſter, wo achtzehn fromme Schweſtern fern vom Geräuſch der Welt, welches doch nicht ſo ganz ſpurlos an den Klöſtern großer Städte vorübergeht, in Selbſtbeſchaulichkeit und gott⸗ ſeligem Wandel lebten. Schon über zwanzig Jahre ſtand dieſem heiligen Vereine als Aebtiſſin eine Frau vor, unter deren ſanfter Leitung bei ſtrenger Sittenzucht derſelbe das geworden war, was Klöſter nach der urſprünglichen Idee der Kirche ſein ſollen. Die hochwürdige Frau war durch des Convents allgemeine Stimme und die Achtung, welche ihr der Biſchof ſeit Jahren zollte, nicht durch Ränke und ſcheinheiliges Weſen zu ihrer hohen Stellung gelangt; ſie zeigte ſich ihrem Berufe voͤllig ge⸗ wachſen und das Kloſter war ein wirkliches Heiligthum von Frömmig⸗ keit und gottgefälliger Eintracht, welche nicht immerdar Gäſte ſind in ge⸗ weihten Mauern.

Nur ſelten verirrte ſich der Fuß eines Reiſenden hieher, auch von dem Gebirgsbade, wo man ſonſt auf Ausflüge nach allen intereſſanten Punkten bedacht iſt, wurde das Kloſter nicht beſucht, weil der Weg da⸗ hin überaus beſchwerlich und für denſelben mit Abſicht gar nichts ge⸗ ſchehen war, um dem Heiligthum, das früher da geweſen, als die Heil⸗

Hausblätter. 1863. IV. Bd. 1