Von Stuhlmann. 11
Ich habe an Ihren Herrn Schwager, den Präpoſitus in Bummeritz ge⸗ ſchrieben, und falls Sie und mein theurer Freund Ihre Einwilligung dazu geben, ſo ſteht dem nichts entgegen, daß Demoiſelle Henriette ſchon in nächſter Zeit dorthin gehen kann. Bummeritz iſt bekanntlich eine große Ackerpfarre, eine der größten im ganzen mecklenburgiſchen Lande. An einem ſolchen Platze kann, das däucht mich wenigſtens, ein junges Mäd⸗ chen viel lernen. Der Herr Präpoſitus ſteht freilich in dem Geruche einer etwas übertriebenen Nährigkeit, aber in dieſen entſetzlichen, abſcheulichen Zeiten, von denen wir jetzt durch Satanas und dieſer Neufranken Hülfe heimgeſucht werden, iſt es am Ende auch nicht ſo ganz ohne, wenn eine junge Perſon einmal kennen lernt, mit wie wenigem möglicherweiſe aus⸗ zukommen iſt.— Der Präpoſitus,— nehmen Sie es nicht für ungut, theuerſte Frau, daß ich von Ihrem Herrn Schwager ein wenig unehr⸗ fürchtig rede,— waren übrigens ſchon als Burſche in Jena mit ganz außerordentlich ökonomiſchen Angewohnheiten behaftet und hatten manch⸗ mal bezüglich der Sparſamkeit die ſinnreichſten Einfälle. Einſtmals kaufte er auf der Auction des alten Profeſſors Negenklok mehrere Paare alter, zerriſſener, ſchwarzwollener Strümpfe, und aus dieſen nähte er darauf eigenhändigſt eine Menge Haarbeutel zurecht, die er das Stück für einen Mariengroſchen an andere Studioſen verkaufte.— Doch die Frau Schweſter meiner theuren Frau Gevatterin wird ihrem Eheliebſten ſchon dergleichen abſonderliche Sperlinge aus dem Kopf geſcheucht haben.“
Obſchon ſich meine Mutter im Geheimen darüber ärgerte, daß der Kaſſirer einmal wieder ſich unaufgefordert in ihre häuslichen Angelegen⸗ heiten gemiſcht hatte, ſo brachte ſie doch nichts Ernſtliches gegen den Plan desſelben vor, und noch weniger that dies mein Vater. Im Gegentheil, dieſer billigte ſofort laut denſelben und dankte herzlich dem Kaſſirer für dieſen neuen Beweis ſeiner treuen Freundſchaft. Ich glaube faſt auch, daß mein Vater ein wenig von den Cavalkaden des Herrn von G. ge⸗ merkt hatte und daß dieſe letzteren einen Hauptgrund bildeten, weshalb auch ihm das Vonhauſegehn der Tochter im Laufe des Beſprechens faſt als eine Nothwendigkeit erſchien. Noch am Abend wurde feſtgeſetzt, daß Henriette ſchon um drei Wochen nach Bummeritz abreiſen ſolle.
Der Herr Präpoſitus Muff hatte alſo eine der fetteſten von den fetten mecklenburgiſchen Landpfarren. Er hatte mehrere Söhne, von denen noch keiner erwachſen war, und außerdem eine gute Anzahl fremder Knaben in


