Jahrgang 
3 (1863)
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4 Tante Henriettens Hochzeit.

gegraben:Dieſes Geſchirr hat gehört dem türkiſchen Großvezier Kara Muſtapha. Hat als Beuteantheil empfangen, bei dem Entſatz von Wien, im Jahre des Herrn 1683, Johann Albrecht von R., herzoglich braun⸗ ſchweigiſch⸗lüneburgiſch⸗hannöveriſcher Obriſtwachtmeiſter.

Dieſe Silberſchätze waren ein Hauptſtolz meiner Mutter. Ich könnte noch das glückliche Geſicht malen, mit welchem ſie in meiner frühen Kind⸗ heit dieſelben zuweilen anderen Damen zu zeigen pflegte; aber auch noch an ihre traurige und beſtürzte Miene erinnere ich mich, als nun eines Abends mein Vater langſam vom ſchwarzen Saal herunter kam und in den Schößen ſeines Schlafrockes mehrere große Suppennäpfe, Pokale und Leuchter getragen brachte.Ach Gott, Albrecht, muß es, muß es denn ſein? ſagte meine Mutter, und dabei faßte ſie nach den Geſchirren. Eleonore, du weißt ja, es geht auf eine andere Weiſe nicht, erwiderte ſanft, doch feſt mein Vater, und dann wurden wir Kinder aus dem Wohn⸗ zimmer hinaus zur Bedientenſtube geſchickt.

Dort fanden wir bei Chriſtian Schmidt den alten Juwelier Simeon Israel aus der Bäckerſtraße, den wir alle ſeit dem letzten Laubhüttenfeſt ganz gut kannten. Simeon Israel war nämnlich ein ſpekulativer Menſch, der alles, was ihm in den Wurf kam, zu nutzen ſuchte, und ſo hatte er denn auch, gegen ein Eintrittsgeld von einem Mathier pro Kopf, uns Kinder beim jüdiſchen Laubhüttenfeſt in ſeinen Garten geläſſen, wo in einer Art Laube aus Spargelkraut, Feuerbohnen und Tannenzweigen, zwiſchen welchen bunte Papierlaternen, kleine Kürbiſſe, Granatäpfel, Citronen und Weintrauben hingen, ſeine Frau und ſeine beiden Töchter, welche Blümchen und Veilchen hießen, in grellfarbigen Seidenkleidern ſaßen und jede in ihren Händen eine Apfelſina hielten. Seit jener Zeit lag für uns Kinder um Simeon Israel und ſein ganzes Haus eine Art geheimnißvollen, märchenhaften Schimmers, und wenn die ſchwarze Tante Eliſabeth uns zuweilen im Zwielicht von Zauberern, Erdgeiſtern und ähnlichen Geſellen erzählte, ſo dachten wir alle ſofort an Simeon Israel und ſeine Töchter, an die bunten Papierkaternen und die Granatäpfel, an den grünen Papagei, der in einem blankpolirten Bauer auf der großen, ſtillen, halbfinſteren Hausflur ſtand, und an den mächtigen ſchwarzen Kater, der ſich mit hoch erhobenem Schwanze, wollüſtig ſchnurrend, an dem himmelblauen, mit Pelz verbrämten Damaſtſchlafrock des Hausherrn ſtrich. Simeon Israel und ſeine Damen waren ſehr freundlich gegen uns