Jahrgang 
2 (1862)
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478 Briefwechſel zwiſchen Heinrich Voß und Jean Paul.

Heinrich Voß war der älteſte Sohn des allbekannten Johann Heinrich Voß, der Homer's und Virgil's Werke zum Eigenthum der Deutſchen gemacht und uns mit der lieblichen IdylleLuiſe beſchenkt hat. Er wurde zu Otterndorf am 29. Oktober 1779 geboren, ſtand während ſei⸗ ner Wirkſamkeit am Gymnaſium zu Weimar mit Schiller und Göthe in Verkehr, und, ſeit 1806 an der Univerſität zu Heidelberg als Profeſſor der Philoſophie thätig, gab er ſich mit einem Eifer, den zu mäßigen ihm ſeine Freunde wiederholt riethen, dem Studium griechiſcher Klaſſiker und mit gleicher Vorliebe auch dem Shakſpearekultus hin. Der ungewöhnlich innige Anſchluß an Jean Paul datirt vom Jahr 1817. Letzterem ſollte das Glück, einen Freund ſo ganz nach dem in ſeinen Werken mit den glühendſten Farben wiedergegebenen Urbilde zu finden, erſt für die ſpäte⸗ ren Jahre aufbewahrt bleiben. Voß, der alles Große und Edle mit einer Liebe umfing, wie ſolche jetzt kaum mehr ein Herz zu verklären pflegt, nannte Jean Paul denherrlichen Freund alles Herrlichen, und charakteriſirte durch dieſen Ausſpruch nur ſich ſelbſt. Er ließ es aber nicht bei der ſchwärmeriſchen Hingebung bewenden, ſeine Liebe ging in That über. Er trug nicht wenig dazu bei, die glücklichſte Lebensepoche ſeines Freundes ausſchmücken, ja herbeiführen zu helfen. Seiner Anre⸗ gung dürfte zum großen Theil der glänzende Empfang, den man im Jahr 1817 zu Heidelberg dem Dichter bereitet hat, zuzuſchreiben ſein. Er ſtili⸗ ſirte in faſt überſchwänglicher Weiſe das Doktordiplom, womit die Uni⸗ verſität Jean Paul's litterariſche Verdienſte anerkannte, und beſorgte mit unermüdlichem Fleiß, zum Frommen des Werkes in den Geiſt der Dich⸗ tungen eingehend, durch längere Zeit die Correcturen eines großen Theils von Jean Paul's Arbeiten, der ſeine Liebe und ſein unbedingtes Vertrauen zu ihm in dem Brief, datirt Bayreuth, den 31. Juli 1818, dadurch kund gab, daß er, mit Uebergehung der Verwandten und älteren Freunde, ſeinen geliebten Heinrich Voßzum executor testamenti, zum unum⸗ ſchränkten Ordner, Chorizonten und Herausgeber des ganzen litterariſchen Nachlaſſes ernannte.(Wahrheit aus Jean Paul's Leben. Breslau bei J. Max. 1827. pag. 326.)

Der Briefwechſel zwiſchen dieſen beiden hervorragenden Männern be⸗ ginnt, ſo weit er veröffentlicht iſt, mit dem Briefe Jean Paul's vom 12. Mai 1817 und ſchließt mit einem Schreiben desſelben an die troſt⸗ loſe Mutter des am 20. Oktober 1822 verſtorbenen Freundes. Unſer