5
476 Aus dem Leben des Herzogs Ulrich von Württemberg. Von Louiſe Pichler.
die ſchwäbiſchen Reichsſtädte ihm freien Durchzug und Zufuhr von Pro⸗ viant. Der Kaiſer war in Spanien, König Ferdinand in Böhmen be⸗ ſchäftigt, überdies durch Türken und Ungarn bedroht. Der Augenblick war darum der günſtigſte— aber Ulrich hatte auch alles an dieſen letzten Wurf geſetzt; verlor er, ſo war jede Hoffnung für ihn geſchwunden, er durfte nicht erwarten, daß noch ein Fürſt für ihn wage, was Philipp von Heſſen that.
In den Tagen, in welchen 19 Jahre zuvor Hans von Hutten erlegen war, überſchritt er die württembergiſche Grenze. Aber die That war ge⸗ büßt; die Manen des Erſchlagenen verfolgten den gereiften Mann nicht mehr. Schon in dem erſten Treffen, 13. Mai 1534, wurden bei Laufen am Neckar die Kaiſerlichen ſo entſchieden geſchlagen, daß die öſterreichiſche Regierung ſchleunigſt aus Stuttgart entfloh. Dietrich von Spät, Ulrichs Hauptfeind, hatte die Schlacht kommandirt, er war der erſte, der nun, von der Herzogin Sabine begleitet, die bisher mit ihm in Württemberg gelebt hatte, das Land verließ. Während deſſen zog Ulrich raſch gegen ſeine Hauptſtadt, wo ſchon die Jugend Triumphlieder für ihn ſang und die Bürger ihm willig die Thore öffneten.
Jubel erfüllte nicht nur Württemberg, ſondern auch die Schweiz, Heſſen und beſonders die Reichsſtädte. Noch lange nachher wurde vom Volk und von den Landsknechten jener Sieg zu Laufen in Liedern gefeiert. Auch die feſten Plätze ergaben ſich faſt ohne Widerſtand und ganz Deutſch⸗ land rief der raſchen That Beifall zu.— Nur der Kaiſer war voll Miß⸗ muth, ſein Bruder beklagte ſich, aber ſie konnten die Thatſache nicht un⸗ geſchehen machen, hatten jetzt weder Zeit noch Mittel zu einer Wiederer⸗ oberung und würden in einem ſolchen Falle ohnedies ganz Deutſchland gegen ſich gehabt haben, da Ulrichs Sieg als ein Gottesgericht angeſehen wurde. Auf den folgenden Reichstagen wurde die Sache endlich gütlich dahin verglichen, daß Ulrich das Herzogthum von Oeſterreich jedoch als unveräußerliches erbliches Lehen annehme, wohin das Land im Falle eines Ausſterbens des Mannsſtammes zurückfallen ſollte.


