Jahrgang 
2 (1862)
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Von Louiſe Pichler. 475

lenken möchte, während derſelben aber Mittel und Freunde zur Wie⸗ dereroberung des entriſſenen Landes wirbt. Mit männlicher Selbſtüber⸗ windung tritt er mit ſeinen bitterſten Feinden, ſeinen Schwägern von Baiern, in Verkehr, aber mit unerſchütterlicher Feſtigkeit verweigert er auch alles, was ſeiner Ehre oder ſeiner Ueberzeugung zuwider wäre. Eine Verſöhnung mit Sabine oder doch die Ausſetzung eines Unterhalts im Lande verwirft er entſchieden, weil ſie ſich ohne Urſache von ihm entfernt und an einen Mann gehängt habe, der ſein Todfeind ſei, ſo daß mit ihr ſeine Feinde ins Land gezogen würden. Nur auf den letztern Umſtand legt er Gewicht und erwähnt ihres Verhältniſſes ſelbſt, das in und außer dem Lande großen Anſtoß erregte, mit edlem Stolze nicht weiter. Da⸗ gegen gibt er zu, daß ihr die Zinſen ihres Heirathsgutes ausbezahlt werden. Auch einen zweiten Vorſchlag Baierns, ſeinem Sohne zugleich huldigen zu laſſen, lehnt er ab, da Theilung des Regiments nur Streit verurſache, überdies ſein Sohn von ſeinen Feinden erzogen und ihm ent⸗ fremdet worden ſei; er will Chriſtoph als Sohn, aber nicht als Mitre⸗ genten väterlich aufnehmen. Lieber verzichtet er auf die unzuverläſſige bairiſche Hülfe.

Noch vier Jahre der Heimatloſigkeit, vier Jahre der Ausdauer unter vielfacher Demüthigung und Enttäuſchung auch der Landgraf Philipp, der ein heftiger, oft launiſcher Mann war, gab Ulrich zu verſchiedenen Zeiten zu verſtehen, daß er mit ſeinem Aufenthalt bei andern Bekannten wechſeln möge, weshalb der zu Wolfenbüttel äußerte: er habe wohl ge⸗ dacht, daß der Landgraf den Fuchs nicht allein beißen werde, vier weitere Jahre und Ulrich ſteht an der Spitze eines Heeres, das theilweiſe der Landgraf, theilweiſe Ulrich ſelbſt aufgeſtellt hatte, Letzterer hauptſäch⸗ lich durch franzöſiſche Anlehen, für welche die im Beſitze ſeines Bruders befindlichen überrheiniſchen Güter verpfändet wurden. Welch ein er⸗ hebendes Gefühl für den thatkräftigen Mann, nach jahrelangen, uner⸗ quicklichen Verhandlungen mit dem Schwerte in der Hand, an der Spitze eines Heeres, das ſeinen Wahlſpruch auf den Fahnen trug, ſich den Grenzen ſeines Landes zu nahen!

Noch am Tage vor der entſcheidenden Schlacht, ſchon auf württem⸗ bergiſchem Boden, kam die letzte Erklärung der Herzoge von Baiern, daß ſie nichts mit der Sache zu thun, aber ſie auch nicht hindern wollten dasſelbe war die Meinung faſt ſämmtlicher Fürſten. Dagegen gewährten