ern n⸗ ülfe in nahezl andten ichiſch⸗ eder in n Un⸗ er ſic
Hochzei
Gäſten
Von Louiſe Pichler. 473
Und dem war auch ſo. Es war in Württemberg nicht unbekannt geblieben, wie der vertriebene Herzog der Reformation ſo entſchieden zu⸗ gethan ſei. Auch dort, wie im ganzen Reiche, fand die religiöſe Bewe⸗ gung den lebhafteſten Anklang. Aber die öſterreichiſche Regierung, ihrer ganzen Richtung getreu, erſtickte mit unerbitterlicher Strenge jede der Re⸗ formation ſich annähernde Regung. Die ſtrengſten Mittel wurden ange⸗ wendet, um das Land im alten Glauben zu erhalten. Um ſo mehr griff die Sehnſucht nach der Rückkehr des alten Landesfürſten um ſich und äußerte ſich in der mannigfachſten Weiſe. Da es verboten war, Herzog Ulrichs Namen zu nennen, ſo ging unter der Bauernſchaft längſt ein Lied umher, das auffordert:
„Den Vogt zu fragen ohne Scheu: Ob nicht Gedanken wären zollfrei?
Wenn von Herzog Ulrich einem träum', Ob er das Land drum müßte räum'?“
Aber es war nicht mehr das niedere Volk allein, das an Ulrich dachte, ſelbſt der höhere Bürgerſtand fing an, ſich mehr und mehr zu überzeugen, daß der feine, liebenswürdige und ſanftmüthige König Fer⸗ dinand eben als geborener Erzherzog von Oeſterreich nie fähig ſein würde, Religionsfreiheit zu gewähren. Gelang ihm's doch durch eiſerne Conſe⸗ quenz, in den öſterreichiſchen Erblanden, die ſo lebhaft als irgend ein deutſches Land von der reformatoriſchen Bewegung ergriffen waren, dieſe zu erſticken,— es waren die letzten Zuckungen derſelben in Niederöſter⸗ reich und Kärnthen, die Ferdinand der Zweite, ihm gleich an perſönlicher Liebenswürdigkeit und Sanftmuth, durch zahlreiche Landesverweiſungen und Hinrichtungen erdrückte.
Jener Beſuch am ſächſiſchen Hofe führte Ulrich auch mit den ſäch ſi⸗ ſchen Reformatoren zuſammen und mit der lebhafteſten Aufmerkſamkeit wohnte er allen Religionsgeſprächen, namentlich der berühmten Unterre⸗ dung Luthers mit Zwingli zu Marburg bei. Obwohl von Luther per⸗ ſönlich gekränkt, da deſſen derbe Sprache ihn nicht geſchont hatte, fühlte er ſich doch von deſſen gewaltigem Geiſte ſo hingeriſſen, daß er ſich von da an mehr zu ſeiner als zu der Lehre der ſchweizer Reformatoren hin⸗ neigt, obwohl er mit dieſen perſönlich freundlicher ſteht.— Und wie er ſelbſt ſich geändert hatte, wie die Geſinnungen ſeiner Unterthanen andere geworden waren, ſo hatte auch die Stimmung ſeiner übrigen Gegner ſich


