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Bauen
Von Louiſe Pichler. 471
Auch die Bauernhaufen, die ſich nicht zu vereinigen vermochten, ver⸗ zehrten ihre Kräfte nutzlos. Auf ſie ſelbſt fielen ihre blutigen Thaten, auf ſie auch die Folgen des Mißtrauens zurück, das ſie verhinderte, einem geübten Führer, ſei es einem Sikingen, Berlichingen oder Ulrich von Württemberg, ſich unbedingt unterzuordnen. Auch ſie waren noch nicht zu der Freiheit reif, die ſie anſtrebten und als Berechtigung empfanden. Erſt allmälig ſollten die Bande ſich lockern, erſt die geiſtige Befreiung in der Reformation die bürgerliche Umgeſtaltung der Verhältniſſe vorbereiten. Aber ſchon damals geſtand man ſich in den Kreiſen des von dem Bauern⸗ aufſtand ſehr geängſtigten höheren Bürgerſtandes, unter dem auch Ulrich noch die meiſten Gegner hatte:„Gott hätt es geſchafft, daß der Herzog von den Bauern nicht zu einem oberſten Hauptmann wäre aufgenommen worden, da durch deſſen Rath und Geſchicklichkeit ſie das ganze Reich hätten in Noth und an ſich bringen können.“
Enttäuſcht und hoffnungslos hatte Ulrich die Bauern verlaſſen müſſen, die immer weniger zu einheitlichem Handeln, zu irgend einer Unterord⸗ nung zu bringen waren, je mehr das Geſindel die Uebermacht zu gewin— nen begann. Während nun Georg von Waldburg, der ſchwäbiſche Bun⸗ deshauptmann, die aufgelösten Bauernhaufen zu Paaren trieb und in den Strafen, die er über ſie verhängte, an Gräßlichkeit hinter den Bauern ſelbſt nicht zurückblieb— war Ulrich, einer neuen Hoffnung beraubt, auf den einſamen Hohentwiel zurückgekehrt. Nur einen Nutzen hatte er von der verunglückten Verbindung;— er hatte mehr als während ſeiner ganzen Regierungszeit das niedere Volk in ſeinen Bedürfniſſen, in ſeinen gerechten Klagen, ſeiner tiefen Erbitterung, ſeiner rohen, aber markigen Kraft kennen gelernt. Seine Mittel waren alle erſchöpft, ſelbſt die ge⸗ ringen Kräfte ſeines Bruders Georg; die bittere Noth kehrte bei dem einſt ſo prächtigen Fürſten ein. Er vermochte ſeine wenigen Diener nicht mehr zu beſolden, zu kleiden. Oft ſoll er in jenen Tagen ſtundenlang am Bergesabhange gelegen haben, den Blick nach Württemberg gewendet; wehmüthige und düſtere Bilder zogen da an ſeiner Seele vorüber, bis er ſich ſeufzend endlich erhob.— Wenn aber auch Stunden⸗, Tagelang tiefe Schwermuth ihn heimſuchte, die Kraft ſeines Willens blieb ungebrochen. So nahe die Noth an ihn herantrat, ſo wies er doch ſtandhaft alle Vor⸗ ſchläge Oeſterreichs ab, ſeinen Rechten gegen eine Abfindungsſumme oder⸗ einige auswärtige Beſitzungen zu entſagen.


