Jahrgang 
2 (1862)
Einzelbild herunterladen

470 Aus dem Leben des Herzogs Ulrich von Württemberg. liſche Zerſtörung in ſeinem Gefolge war die erſten Anfänge der Bewegung waren nicht nur berechtigte, ſondern auch hoffnungsvolle. Die Bauern begehrten nur, wie ſie ſelbſt ſagten, ihr göttliches Recht, das ihnen wider Billigkeit und wider die Satzungen des Evangeliums vor⸗ enthalten werde. Wenn bald das Geſindel, das mitlief, die Oberhand gewann und die Beſonnenen mitriß, ſo rächte ſich darin der Fluch ihrer gedrückten Vergangenheit an den Bauern ſelbſt, wie an denen, wider die ſie die Waffen kehrten.Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, vor dem freien Mann erzittre nicht.

Ulrich hatte ſich aus der Schweiz auf die noch in ſeinem Beſitz ſte⸗ hende einſame Bergfeſte Hohentwiel zwiſchen Schaffhauſen und dem Bo⸗ denſee begeben. Er trat in Unterhandlung mit den Bauern im Höhgau, denen er vorſtellen ließ, daß er, wie ſie, nichts begehre als ſein Recht, wozu ſie ſich gegenſeitig verhelfen wollten. Aber es wurde ihm ſchwer, Vertrauen zu gewinnen; hatten doch hier beſonders die Flüchtlinge aus der Zeit des armen Konrad Aufnahme geſucht. Dieſe Erinnerungen waren noch zu neu. Seine Geſandten wurden mit abſchläglichem Beſcheide ent⸗ laſſen. Sollten ſie ihm glauben, äußerten die Bauern, ſo müßte er wer⸗ den wie ihrer einer.

Ulrich war ſchon ſo weit gebracht, daß er lieber vor den Bauern ſich demüthigen wollte, als vor dem ſtolzen ſpaniſchen Kaiſer. Er kam ſelbſt zu dem Bauernhaufen, ſtellte vor, wie der beiderſeitige Vortheil ihr Bündniß heiſche, und verſprach eidlich, ſeine Bauern von der Leibeigen⸗ ſchaft und aller Dienſtbarkeit frei zu geben. Dazu wolle er die Klöſter abthun und aus ihren Einkünften ſeinen Hof beſtreiten, um ferner keine Laſten auf diearmen Leut zu legen. Eine Vereinigung kam zu Stande; Ulrich brachte Schweizer Söldnertruppen als Verſtärkung. In zweimaligem Zuge gegen Württemberg drang der Herzog mit den ge⸗ miſchten Schaaren ſiegreich bis nahe zur Hauptſtadt vor da verließen ihn wieder die Schweizer, unzufrieden wegen des rückſtändigen Soldes und aufgehetzt von den Anhängern des ſchwäbiſchen Bundes. In den Bauern⸗ haufen aber fehlte Einigkeit und gegenſeitiges Vertrauen. Noch hatte Ulrich den Kelch des Unglücks nicht bis auf die Neige geleert. Noch durfte er nicht aus der Verbannung zurückkehren; die fürſtliche Willkür ſollte nicht ein gefährliches Bündniß eingehen mit der Zügelloſigkeit der rohen Hefe des Volkes.