Jahrgang 
2 (1862)
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Von Louiſe Pichler. 469

wüchſiger Ironie aus:Das muß ein guter Barbier gſyn ſyn, der den Knaben ſo ſuber geheilt hat!

Und doch, wenn auch der augenblickliche Zweck nicht erreicht ward, konnte dieſer mehrmalige Aufenthalt in der Eidgenoſſenſchaft, dieſer per⸗ ſönliche Verkehr mit den derben Bürgern der Schweiz für den entthron⸗ ten Fürſten, der ſeine Jugend am Kaiſerhof verbracht, im Mannesalter ſich mit einem ſtolzen Adel umgeben hatte, nicht ohne Nachwirkung blei⸗ ben. Ungleich wichtiger war für ihn die Bekanntſchaft mit der Reforma⸗ tion, die er hier machte. Verloren in andere Beſchäftigungen und Sorgen, hatte er während ſeiner Regierung ſich wenig um Religionsfragen be⸗ kümmert. In glücklichen Verhältniſſen würde er ohne Zweifel als Freund des Kaiſerhauſes und Schwager der Baiernherzoge, ſelbſt als frommer Katholik ſein Land der neuen Lehre verſchloſſen haben, wie jene es thaten. Als Verbannter konnte er nicht umhin, aufmerkſam auf die Bewegung zu achten, die jetzt das ganze Reich durchzog. Er ſtand ja jetzt mitten in derſelben, hörte und ſah, wie alle Stände von dem Verlangen entflammt waren, das drückende Joch des blinden Glaubens abzuwerfen, ſelbſt zu prüfen und dann auf den Grund der Ueberzeugung ihres Gewiſſens zu leben und zu ſterben.

Ulrich ſelbſt, der unter allem äußern Unglück noch den ſchwereren Druck des innern Schuldbewußtſeins mit ſich ſchleppte, war lebhaft ange⸗ regt von der Lehre, die auf Grund der Worte Chriſti und der Lehre der Apoſtel jedem Sünder, der zur Erkenntniß ſeiner Schuld gekommen, Ver⸗ gebung verſprach nicht etwa nur den Ablaß der katholiſchen Kirche, der den Stachel des Gewiſſens nicht zu tödten vermochte, ſondern Frieden des Herzens, eine Wiedergeburt des ganzen Weſens und Seins. Ulrichs ganzes Verhalten während ſeiner Verbannung und nach ſeiner Rückkehr zeugt von dem tiefgreifenden Ernſt ſeiner Ueberzeugung. Aber noch lange und ſchwere Prüfungen mußten den verwilderten Charakter beugen, läu⸗ tern und ſtählen, ehe er thätig für die neu gewonnene Erkenntniß auf⸗ treten durfte.

Hatte Ulrich in der Schweiz keine Hülfe gefunden, ſo zog der begin⸗ nende Bauernkrieg ſeine Augen nach anderer Seite. In Württemberg, in Baden und am Höhgau beim Bodenſee rotteten ſich die Bauern zuſammen, um hundertjährigen Druck abzuſchütteln. Wie ſehr der Aufruhr auch in der Folge ausartete, welche blutige Gräuel verübt wurden, welche vanda⸗