468 Aus dem Leben des Herzogs Ulrich von Württemberg.
Dennoch hatte der vertriebene Herzog noch einen ſtarken Anhang im Lande, und merkwürdigerweiſe zählte hierzu faſt die ganze Bauernſchaft trotz allen Elendes, das Ulrich über ſie verhängt hatte. Mit dem ſichern Inſtinkt, der ſich häufig im Volke offenbart, mißtrauten ſie dem öſterrei⸗ chiſchen Scepter und meinten, ſie wären unter ihrem gewaltthätigen, auf⸗ brauſenden Herzog Ulrich immer noch freier geweſen, als jetzt unter dem feinen, ſanftmüthigen Ferdinand, der dem Volke unzugänglich, von Pfaffen und Junkern umgeben, im fernen Wien reſidirte. Als dann die übrigen Glieder der fürſtlichen Familie ihre Abfertigung erhielten, der junge Lan⸗ desprinz aber anſtatt in Württemberg erzogen oder doch ſeiner Mutter übergeben zu werden, in eiligen Tagemärſchen nach Oeſterreich abgeführt wurde— da wurde die allgemeine Wehmuth und Unzufriedenheit ſo laut, daß die ſtrengſten Maßregeln der öſterreichiſchen Amtleute nöthig wurden, um die Ruhe zu erhalten.
Ulrich aber war ohne Hoffnung aus der Schweiz zurückgekommen. Dem jungen mächtigen Kaiſer wollten ſich die Kantone nicht entgegen⸗ ſtellen. Nun ſaß der Verbannte in dem Schloſſe Reichenweiher, wo er geboren, ein Gaſt ſeines jüngern Bruders Georg, aus der zweiten Ehe ſeiner Vaters. Dort mußte er vernehmen, wie Ferdinand von Ungarn zu Stuttgart eingezogen ſei, empfangen von feſtlich gekleideten Kindern und Jungfrauen, die ihm Blumen geſtreut, wie bei ſeinem Anblick der tauſend⸗ ſtimmige Ruf erſchollen:„Vivat Oeſterreich! Hie Oeſterreich Grund und Boden!“— Er vernahm aber auch, wie ſeine zertretenen und belaſteten Bauern darüber murrten:„ſie wären württembergiſch und wollten nicht öſterreichiſch werden.“
Schriften für und wider ihn überſchwemmten das Reich. Um das Verfahren des ſchwäbiſchen Bundes gegen einen Reichsfürſten und ein Reichsland, das doch manchen Widerſpruch erregte, zu entſchuldigen, wur⸗ den die unſinnigſten Gerüchte über Ulrich ausgeſtreut. Unter derartigen Anklagen, wie ſie beſonders auch Ulrich von Hutten ohne jede Unter⸗ ſuchung ihrer Glaubwürdigkeit aufnahm, war unter anderem die, daß Ulrich einen Edelknaben, Wilhelm von Janowitz, im Zorn mitten entzwei gehauen. Dieſer Knabe aber, ein Liebling Ulrichs, war während ſeiner Verbannung ſtets an ſeiner Seite, wurde nach der Rückkehr in's Land von dem Herzog zum Kommandanten von Asperg ernannt und überlebte ſeinen Herrn um vieles. Ein Schweizer rief bei ſeinem Anblick in natur⸗
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