Jahrgang 
2 (1862)
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Aus dem Leben des Herzogs Ulrich von Württemberg.

Von Louiſe Pichler.

IV. Ulrich der Verbannte.

Während Ulrich von Ort zu Ort reiste, die Schweiz um Beiſtand anging und an den jungen Kaiſer nach Spanien ſchrieb, um wieder zu ſeinem Lande zu gelangen, hatten ſeine Gegner das ſicherſte ergriffen. Ein Reichsland ohne Weiteres zu zerſtücken und unter ſich zu theilen, wie manche unter ihnen freilich Luſt gehabt hätten, ging nicht an. So baten ſie den Kaiſer, das Land, unbeſtimmt als Eroberung oder für den erſt vierjährigen Prinzen Chriſtoph, in ſeine Obhut zu nehmen. Gnädig nahm Karl der Fünfte das Anerbieten an und ließ durch ſeinen Bruder Ferdi⸗ nand Beſitz von dem Lande nehmen.Unſer Will und Meinung iſt, das⸗ ſelbig Herzogthum unſerem Hauſe Oeſterreich zu behalten, ſchrieb er ſchon damals aus Spanien.

Die Ehrbaren, d. h. die höhere Bürger⸗ und Beamtenariſtokratie,

waren damit nicht unzufrieden. Sie hofften unter dem öſterreichiſchen Scepter

Ruhe und geordnete Zuſtände zu finden. Auch wurde Gelegenheit genom⸗ men, die ſtändiſchen Rechte zu erweitern und zu befeſtigen; der Kaiſer mußte dies Opfer bringen, um ſich das Land geneigt zu machen. Die Perſönlichkeit Ferdinands, Königs von Ungarn, der an Kaiſers Stelle kam, war eine höchſt liebenswürdige, vertrauenerweckende daß er bald wie⸗ der nach Oeſterreich zurückkehrte und das Land unter einer Statthalter⸗ ſchaft zurückließ, war nun eben der Partei, die das große Wort im Lande führte, gar nicht unlieb. 30*