12 Am Ziel.
meinem kleinen Vorrath, der aber nur Shakeſpeare’s Werke enthält. Ich habe den Hamlet mitgebracht.“—„Wie fein Sie meinem Dänenthum ſchmeicheln wollen!“ meinte Nora lächelnd, indem ſie das Buch in die Hand nahm und darin blätterte.„Sie wählten ja doch eine vaterlän⸗ diſche Lecture für mich, denn wenn auch der Dichter kein Däne war, iſt doch das Drama unſrer Geſchichte entnommen und ſpielt ſogar in unſrer Nähe hier, in dem hübſchen Helſingör, welches zu Hamlets Zeit die Re⸗ ſidenz der Könige von Dänemark war.“
„Sie nehmen Hamlets Daſein ſo beſtimmt an, mein Fräulein,“ un⸗ terbrach Arwed die ſchöne Sprecherin;„es iſt indeß ſehr fraglich, ob der Dänenprinz je gelebt hat, oder ob er nur dem Reich der Sage angehört.“ —„Nein,“ erwiderte Nora eifrig,„es iſt keine Sage, die nur der Dichter ſo ſchön ausgeſchmückt hat; das muß ich beſtreiten. Sie wiſſen wohl nicht, daß auf dem Luſtſchloß Marienlyſt bei Helſingör ſich eine ſehr ſchöne Terraſſe vorfindet, welche heute noch Hamlets Namen trägt, weil ihm auf derſelben der Geiſt ſeines Vaters erſchienen iſt? Auch befindet ſich in deren Nähe ein Hügel mit einer kleinen alten Steinſäule, welchen man als Hamlets Grab bezeichnet. Er muß alſo exiſtirt haben.“—„Ich bitte Sie, Herr Tiedgen,“ ſprach Frau Magens dazwiſchen,„ſtreiten Sie mit Nora nicht über Gegenſtände, welche ihr Nationalgefühl erregen. Dann ziehen Sie ſtets den Kürzern und wir kommen dabei nie zum Vor⸗ leſen. Der Hamlet war ein Däne, dies iſt genug, um das Werk für Nora intereſſant zu machen, die für und nur in Dänemark leben und ſterben will.“—„Das leugne ich auch gar nicht,“ ſagte hierauf Nora ruhig und beſtimmt;„ich kann mir nichts Höheres und Schöneres den⸗ ken, als mein Vaterland, und wünſche dasſelbe nie zu verlaſſen, da ich nirgends lieber leben möchte als dort. Doch, nun beginnen Sie, Herr Tiedgen.“
Der Abend war für Arwed ſo raſch und angenehm dahingeſchwun⸗ den, daß er nur ungern durch die ſpäte Stunde zum Aufbruch gemahnt wurde und ſich zurückzog, um der Leidenden die nöthige Ruhe nicht zu ſchmälern. Er betrat ſein kleines Zimmer mit einem eigenen Gefühl von Seligkeit und rief ſich nun in der Einſamkeit jedes Wort zurück, welches Nora geſprochen hatte. Wie ſo ganz anders erſchien ſie ihm jetzt, als bet der erſten Bekanntſchaft, wo ihr Uebermuth ihn faſt verletzt hatte, ſo daß er ihre Schönheit deßhalb nicht bewundern wollte. Freillich trat ſie auch jetzt mit einem ſtarken Selbſtbewußtſein auf, welches man dem wenig mehr
als ſe dine ſ riger rehen Und deßha⸗
war
für il ſo ho buch, hert lebte. ganz


