3 Von O. Otto. 13
n als ſechzehnjährigen Mädchen kaum verzeihen konnte; aber es wurde durch die eine ſo liebliche Freundlichkeit gemildert, daß man ihre Behauptungen we⸗ län⸗ niger abſprechend und ſtreng fand und ihr oft nicht widerſprach, um ihr ü reizendes Lächeln nicht zu ſtören. Dabei war ſie eine ſo rückſichtsvolle nſtar und aufmerkſame Tochter gegen die leidende Mutter, daß Arwed ſchon R⸗ deßhalb für ſie eingenommen wurde, da er ſelbſt ein ſehr guter Sohn war und an ſeinen Eltern mit der zärtlichſten Liebe hing. un⸗ Jeden Abend brachte er nun bei den Damen zu, deren Unterhaltung der für ihn immer anziehend war, und ſchien dieſelbe einmal etwas zu ſtocken, ort. ſo holte er ſeinen Shakeſpeare vor und las, oder er zeigte ſein Skizzen⸗ ichte buch, welches er neuerdings mit den ſchönſten Anſichten Ramlöſa's berei⸗ wohl chert hatte, wodurch immer wieder eine neue Anregung das Geſpräch be⸗ ſebt lebte. Nach vierzehn Tagen war der Fuß der Kommerzienräthin wieder wal ganz hergeſtellt, ſo daß ſie ohne Gefahr die Rückreiſe unternehmen konnte, finde und da es ſchon recht leer in Ramlöſa wurde und oft ein kühler Wind lchen mit herbſtlicher Mahnung die hohen Eichen des Parkes ſchüttelte und ihre 73 Blätter weithin verſtreute, ſo daß der Aufenthalt in dem Badeort nicht 3' mehr die frühern Annehmlichkeiten bot, wurde der Tag der Abreiſe feſt⸗ ega geſetzt. Wor⸗ Arwed hatte die ſeinige auch bis dahin verſchoben, um mit den Da⸗ kſu men gemeinſchaftlich bis Helſinborg zu fahren. Hier begleitete er ſie zum Hafen, beſorgte die Plätze und das Gepäck auf dem Dampfſchiff und ſchied
erſt von ihnen, als das Signal zur Abfahrt gegeben wurde. An der Denkſäule für König Karl Johann, der den Hafen in ſeiner jetzigen Geſtalt gebaut hat, blieb er ſtehen und ſah dem Schiff nach, welches ſich erſt langſam durch die beiden weißen Pfeiler des Hafens durcharbeitete, dann in offener See ſeine ganze Kraft entfaltete und raſch davoneilte. Eine ungeheure Rauchſäule ſtieg jetzt aus dem Schornſtein auf, und in⸗ dem der Wind ſie zerſtreute, hüllte er das Verdeck ſo ein, daß die Men⸗. ſchen auf demſelben wenig ſichtbar waren. Bisher hatte Arwed Nora's Geſtalt mit den Augen feſtgehalten, jetzt war ſie ihm entſchwunden. Da auf einmal wurde ein weißes Tuch geſchwenkt, eine Dame im Roſakleide trat hervor— das war Nora.— Wieder hüllte eine dicke Rauchwolke alles ein und das Schiff dampfte weiter.
Mit langſamen Schritten verließ Arwed endlich den Hafen und ging die Straße zum Markte empor, an dem das Hotel Mundte gelegen iſt, wo er ſeinen Wagen erwartete. Es war das einfache väterliche Geſpann—„


