10 Am Ziel.
bringen, denn als ich den Verſuch zum Gehen machen wollte, konnte ich den Fuß nicht bewegen. Leider muß ich Sie mit dieſer Beſorgung be⸗ mühen, denn mein Mann iſt geſtern nach Kopenhagen zurückgekehrt.“
Mit beflügelten Schritten eilte Arwed davon, und da er ſelbſt in Ramlöſa ſehr unbekannt war, wandte er ſich an Frau Sparre, die als⸗ bald zwei ſtarke Männer mit einem Tragkorb herbeiholte, während Arwed den Arzt aufſuchte und dann mit dieſem und den Leuten zu den Damen zurückkehrte. Der Arzt unterſuchte ſogleich den Fuß der Kommerzien⸗ räthin und erklärte dann, derſelbe ſei nicht gebrochen, ſondern nur ver⸗ renkt; doch werde das Einrenken des Fußes etwas ſchmerzlich ſein, da der Knöchel bereits ſtark angeſchwollen wäre. Es ſei aber dabei durchaus keine Gefahr zu beſorgen, und in acht Tagen werde die Dame wieder gehen und, wenn ſie wollte, auch tanzen können. Man legte nun die Leidende in den Tragkorb und brachte ſie langſam nach Hauſe, da jede ſtarke Bewegung ihre Schmerzen mehrte. Nora hatte mit zärtlicher Sorg⸗ falt die Mutter unterſtützt und ging jetzt ernſt und ſtill an ihrer Seite, die Hand auf den Rand des Korbes gelegt und zuweilen das Haupt der Leidenden leiſe ſtreichelnd.
Im Laufe des Tages hatte ſich Arwed mehrmals nach dem Befinden ſeiner kranken Hausgenoſſin erkundigen laſſen und die ziemlich befrie⸗ digende Antwort erhalten, daß ſich kein Fieber eingeſtellt, wie der Arzt befürchtet hatte, und am andern Morgen ließ man ihm ſagen, der Frau Kommerzienräthin würde es angenehm ſein, den Beſuch des Herrn Tied⸗ gen zu empfangen, um ihm für ſeine geſtrigen Bemühungen ihren Dank abzuſtatten. Arwed erſchrak bei dieſer Kunde; er ſollte alſo in Nora's Nähe treten, mit ihr ſprechen, mit ihr, die ihn noch nie ihrer Beachtung gewürdigt hatte! Doch, ſich zurückziehn konnte er jetzt nicht mehr, und ſo ging er denn gegen zwölf Uhr mit klopfendem Herzen und einer ihm ſonſt nicht eigenen Befangenheit zu den Damen hinunter. Gleich an der Thür trat ihm Nora mit einem milden Ausdruck in ihrem roſigen Antlitz entgegen, und dem jungen Manne ihre Hand reichend, ſagte ſie mit wei⸗ cher Stimme:„Sie haben uns geſtern einen großen Dienſt geleiſtet, für den ich Ihnen nicht genugſam danken kann; denn ohne Ihre thätige und eilige Hülfe, und ohne Ihre Sorglichkeit, ſogleich den Arzt mitzubringen, würde ſich das Uebel meiner armen Mutter viel bedenklicher geſtaltet ha⸗ ben, als es jetzt der Fall iſt. Wir ſind Ihnen ſehr verpflichtet.“


