Jahrgang 
2 (1862)
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Von O. Otto. 9

Dame indem er ſich von der Badegeſellſchaft ganz abſonderte. Des Morgens

faſſen trank er ſeinen Brunnen zu einer frühen Stunde, in der nur wenige h ſei Leute an der Quelle waren, und wenn er ſpazieren ging, wählte er die daran, einſamſten Gänge des Parkes, um wo möglich niemanden zu begegnen.

eck zu Hier, wo ſich zwiſchen alten Buchen und Eichen der kleine Bach hinwin⸗ rHu⸗ det, deſſen Ufer etwas ſteil und abſchüſſig ſind, ladet auf einem kleinen

t den Plateau eine einfache Bank aus Birkenäſten zum Sitzen ein, von der man Bort einen prächtigen Blick in das Waldesdunkel der hohen Bäume hat, deren rma⸗ ſaftiges Grün auch im Spätſommer noch gar wohl erhalten war. Dieſe

Bank war Arweds Lieblingsplatz geworden; hier konnte er ſtundenlang ſitzen und im Shakeſpeare leſen, deſſen Werke er mitgenommen hatte, oder kleine Zeichnungen in ſein Skizzenbuch eintragen, in welcher Fertigkeit er viel Talent bekundete, und ſo beſchäftigt blickte er ſelten auf, wenn er auch einmal Schritte von Spaziergängern in ſeiner Nähe hörte. Eines Morgens zeichnete er wieder ſehr eifrig, da tönte auf einmal ein Schrei an ſein Ohr, dem der Ruf folgte:Ach Gott, meine Mutter! Arwed warf ſein Buch zur Erde und ſprang empor. Nicht weit von ihm ſtand Nora Magens und ſtreckte ihre Arme nach dem Grunde aus, in dem der kleine Fluß ſich hinſchlängelt. Als ſie Arwed erblickte, eilte ſie auf ihn zu, ergriff ſeine beiden Hände und rief mit den flehendſten Tönen innerſter Herzensangſt:Um Gotteswillen, helfen Sie mir meine Mutter retten! Sie iſt hier den Abgrund hinabgeſtürzt; kommen Sie nur raſch! Sie zog ihn mit fort, beide kletterten den Berg hinunter, Nora nicht achtend, daß ihr roſa Muslinkleid an den Sträuchern hängen blieb und in Streifen riß, daß ihr Fuß oft ſtrauchelte und ſie jeden Augenblick in Gefahr war, ſelbſt hinabzuſtürzen. Endlich waren ſie am Ziel und mit einem hellen Angſtſchrei ſtürzte Nora auf ihre Mutter zu, die am Ufer des Flüßchens auf einem Steine ſaß und mit ihrem Taſchentuch das rin⸗ nende Blut von ihrer Stirne wiſchte.

Mutter, geliebte Mutter, du bluteſt! rief Nora ſie umſchlingend, und legte ihr thränendes Antlitz an den Kopf der Mutter.Beruhige P dich, liebes Kind, entgegnete dieſe etwas matt,das Blut erſchreckt dich, uin aber die Wunde iſt ganz ungefährlich, das fühle ich. Ich habe mich bei dem Fall ſtark an einem Dornenſtrauche geritzt. Aber ich fürchte, mein zati Fuß iſt arg verletzt, denn ich kann nicht auftreten und habe ſtarke Schmer⸗ jen. Haben Sie die große Güte, mein Herr, nach Hauſe zu eilen und keute mit einer Tragbahre herzuſchicken, welche mich auf dieſe Art fort⸗