Jahrgang 
2 (1862)
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6 Am Ziel.

auch immer bereit war, ihre Witzworte wie Leuchtfunken dazwiſchen zu werfen, ſo daß ſie unbeſtritten als die Herrſcherin dieſes Kreiſes erſchien. Wie unähnlich war ſie allen weiblichen Weſen, denen Arwed bisher be⸗ gegnet; wie ſo ganz unähnlich ſeiner ſanften Mutter, der geiſtreichen aber milden Baronin Torre! Und doch mußte er ſich wieder geſtehn, daß ſie alle an Schönheit, Reiz und Geiſt überragte, und er zu wenig von der Welt und der großen Geſellſchaft kennen gelernt hatte, um die Ueberzeu⸗ gung zu haben, ein richtiges Urtheil über eins ihrer Mitglieder fällen zu dürfen. Ihn ſelbſt hatte ſie noch gar nicht bemerkt oder angeſehn, ob⸗ wohl er den Blick kaum von ihr abgewendet hatte, und er ſagte ſich mit einiger Bitterkeit:Es iſt natürlich, daß ſie den unbedeutenden neunzehn⸗ jährigen Sohn eines ſchwediſchen Landpfarrers nicht bemerkt, wenn Reichs⸗ freiherren und Offiziere ſie fortwährend zu feſſeln ſuchen.

Er ſtand vom Tiſche auf, noch ehe das Deſſert gereicht war, und ging alsbald aus, ſich eine Wohnung auf die Dauer von vier Wochen zu ſuchen, die er auch in einem, dem Brunnen ziemlich nahe gelegenen Hauſe fand, deſſen freundliches Giebelſtübchen ſeine beſcheidenen Wünſche hin⸗ länglich befriedigte. Bald waren ſeine Sachen ausgepackt und geordnet, und alle die kleinen Einrichtungen getroffen, um dem Zimmer ein behag⸗ liches Anſehn zu geben. So war der Abend herangekommen und Arwed beſchlich auf einmal ein Gefühl von Verlaſſenſein, von Heimweh, deſſen ſich der kräftige Jüngling faſt zu ſchämen begann.

Das ſind die Nachzügler der Krankheit, ſagte er zu ſich ſelbſt. Ich bin körperlich noch ſchwach und fühle mich deßhalb auch geiſtig ge⸗ drückt, darum kann ich mich in die fremde Umgebung nicht gleich einleben und ſehne mich heim nach dem Elternhauſe, nach der Elternpflege. Bin ich denn etwa ein verzogenes Mutterſöhnchen? Nein, gewiß bin ich das nicht! Aber dieſer Zuſtand der Bangigkeit iſt doch unerträglich, und ich will herunter zur Wirthin gehen und fragen, ob denn nicht noch mehrere Leute hier im Hauſe wohnen, mit denen ich öfters ein Stündchen zuſam⸗ menkommen könnte..

Arwed fand Frau Sparre, ſeine Wirthin, in der Küche beſchäftigt, um eine Speiſe zu bereiten, welche ſie rothe Grütze nannte,ein Lieb⸗ lingseſſen der däniſchen Herrſchaft, die in meinem Hauſe wohnt und täg⸗ lich zum Abendbrod ihr däniſches Nationalgericht, rothe Grütze mit ſüßer Sahne verlangt, fügte ſie geſprächig hinzu.Alſo eine däniſche Fa⸗ milie wohnt hier? Frau Sparre, erzählen Sie, wie heißt und wer iſt

dieſel riiche Frau Herr geka beim man erwit wiede