Von O. Otto. 5
dem gut geebneten Wege den herrlichen Buchenhain, der Ramlöſa mit
3, ihn ſeinem Brunnen, den ſchönen, einzeln gelegenen Wohnhäuſern und dem h hatte Badehotel umſchließt. In dieſem kehrte Arwed zuerſt ein und beſchloß, werden nach eingenommenem Mittagsmahl eine Wohnung für die Dauer mehrerer
anz ge⸗ Wochen zu ſuchen. Die Mittagstafel hatte man in zwei großen Sälen een An⸗ aufgeſtellt, durch deren weit geöffnete Fenſter die milde Waldluft herein⸗ nd wie ſtrömte und den Sonnenſtrahlen freien Eingang gewährte, die ihre Gold⸗
berlaſſ funken auf den nach Landesſitte mit grünen Tannenzweigen beſtreuten ſo ſanft Fußboden warf. n Bette Nachdem Arwed ſeine Toilette gewechſelt hatte und durch die Glocke
freudigt das Zeichen zur Table d'hote gegeben war, ging er in den Speiſeſalon,
in dem ſich bereits die Gäſte verſammelt und an der langen Tafel Platz ken viel genommen hatten, ſo daß auch nicht ein Couvert unbeſetzt war. Im zwei⸗ tigt e ten Zimmer ſah es nicht beſſer aus; auch hier waren alle Plätze bereits 1u vel⸗ beſetzt oder belegt, und ſchon wollte Arwed wieder fortgehn, als ihn ein endkua Keellner auf einen leeren Stuhl aufmerkſam machte, der am Ende der Tafel Aufene zwiſchen einer kleinen ältlichen Dame und einem ſehr umfangreichen Herrn es blic ſtand, deſſen ſtolzblickendes Geſicht nichts Aufmunterndes für Arwed hatte. Letzterer wollte eben von dem leeren Stuhl Beſitz nehmen, als der dicke natt Herr mit ziemlich unfreundlichem Tone in däniſcher Sprache rief:„Dieſer m ſtib Platz iſt für meine Tochter beſtimmt, welche gleich erſcheinen wird. Hier gegenüber iſt aber noch ein unbeſetzter Stuhl.“— Arwed, der als Knabe
das! 9 m oft längere Zeit in Helſingör bei einem Onkel zugebracht und ſich die 4 G däniſche Sprache angeeignet hatte, verſtand die Anrede des Herrn, aber dſ ohne dieſelbe zu erwidern, ging er auf die andre Seite der Tafel, um nrit den noch leeren Sitz einzunehmen.
firu„Nun, Nora, da biſt du ja endlich; ſchon wollte man deinen Platz an uſurpiren,“ tönte wieder die Stimme des dicken Herrn.— Arwed ſah hſ empor un ihm gegenüber ſetzte ſich zwiſchen das alte Paar ein junges
Mädchen, deſſen Antlitz den Stempel des erſten Lenzes trug, gemiſcht mit einem Zuge von Stolz und Selbſtbewußtſein, der wie eine dunkle Ge⸗ witterwolke über dieſem heitern Frühlingshimmel ſchwebte. Die junge 1 Dame, in ſchwerer Seide nach der neueſten Mode gekleidet, führte bald m ein ſehr lebhaftes Geſpräch ein, an dem ſich die in ihrer Nähe ſitzende m Herrenwelt eifrig betheiligte. Die Unterhaltung bewegte ſich in fran⸗ zöſiſcher, ſchwediſcher und däniſcher Sprache; die Herren waren ſtets be⸗ müht, die junge Dame zum Mittelpunkt derſelben zu erheben, die dann


