Jahrgang 
2 (1862)
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Von O. Otto. 3

hinm Fieber leidend, von Tag zu Tag mehr dahinſiechte, ſo daß der aus Hel⸗ hin ſingborg herbeigeholte Arzt heute ſehr ernſtliche Beſorgniſſe über den Zu⸗ Uöjen ſtand des Jünglings ausgeſprochen und der Pfarrerin gerathen hatte, an . ihren beim Reichstage in Stockholm weilenden Gatten zu ſchreiben und hiet, ihn von der Gefahr, in der das Leben ſeines einzigen Sohnes ſchwebte, 1 der zu benachrichtigen, damit er ſeine Rückkehr beſchleunige.

Vnh Arwed ſchlief jetzt wirklich; ſein heißer, jagender Athem ſtreifte das denke

Antlitz der Mutter, ſeine fieberglühenden Hände ruhten in den ihrigen, ſo daß ſie deren raſche Pulsſchläge fühlte; und an dieſen Schlaf die Hoff⸗ nung der Geneſung knüpfend, wollte ſie denſelben nicht unterbrechen und hielt fortwährend den theuren Sohn mit ihren Armen umſchlungen, ob⸗ wohl ihr dieſelben faſt den Dienſt verſagten. Es war draußen dunkel det geworden, im Zimmer herrſchte dichte Finſterniß und im ganzen Hauſe gi die größte Stille. Auf einmal vernahm man das Rollen eines nahenden Wagens, er hielt vor dem Pfarrhauſe, Thüren wurden geöffnet und wie⸗ der geſchloſſen, dann nahten leiſe Schritte der Krankenſtube und, eine kleine Lampe in der Hand tragend, trat der Vater in das Zimmer. Ohne ein Wort zu ſprechen, nahte er dem Lager, legte die Hand auf das Haupt ſeiner weinenden Gattin und nahm ihr gegenüber auf einem Seſſel Platz, die Augen unverwandt auf den Kranken gerichtet. Dieſer ſchlief immer noch; endlich wurde aber der Athem ruhiger, die Röthe im Geſicht ver⸗ minderte ſich nach und nach, und die Hände, welche noch immer in denen der Mutter ruhten, ſchienen derſelben weniger heiß zu ſein. Da ſchlug im Nebenzimmer die Uhr Mitternacht, Arwed richtete ſich aus den treuen Mutterarmen auf, ſchaute mit klaren Blicken um ſich und ſah mit freu⸗ de digem Erſtaunen ſeinen Vater an dem Bette ſitzen.

Vater, lieber Vater, wie kommſt du hierher, da die Sitzungen des Reichstages doch noch nicht beendet ſind? Hat man dich von meiner Krank⸗ heit benachrichtigt und dieſe als ſo gefährlich geſchildert, daß du meinet⸗ wegen deine Heimkehr beſchleunigt haſt, ſo hat dieſe wirklich Wunder ge⸗ than, denn ſeit ich erwacht bin und in deine Augen blicken kann, fühle ich mich leichter und wohler als ſeit vielen Tagen.Ich wußte nichts 1 von deiner Krankheit, mein lieber Sohn, erwiderte der Pfarrer mit ge⸗ 1 rührter Stimme;meine Rückkunft danke ich nur unſrem Gutsherrn, dem Varon Torre, deſſen Anweſenheit auf ſeinen Gütern dringende Geſchäfte für einige Tage fordern; und da grade jetzt den Reichstag keine ſehr 4 1*

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