Jahrgang 
2 (1862)
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2 Am Ziel.

Nur nach dem Garten hin ſah man ein Fenſter etwas geöffnet, hinter deſſen ſchneeweißer Gardine das milde Antlitz einer ältlichen Frau ſichtbar war, die mit andächtiger Geberde und gefalteten Händen zum wolkenloſen Himmel aufſchaute.

Gieb mir zu trinken, liebe Mutter, es iſt ſo drückend heiß hier, klang eine matte Stimme aus dem Innern des Zimmers;aber nicht den bittern Thee, welchen der Doctor verordnet hat. Gieb mir kühles Waſſer mit Himbeerſaft gemiſcht, den nur du ſo ſchön bereiten kannſt. Ich denke dabei der Himbeerſträucher unſres Gartens, welche ich ſelbſt gepflanzt, der Beeren, die wir zuſammen gepflückt, die du dann zum Saftkochen ver⸗ wendet haſt, und dieſe Gedanken werden mich erquicken und zerſtreuen. Spcrrich nicht ſo viel, mein Arwed, ſagte die Mutter beſorgt, indem ſte das verlangte Getränk bereitete und dem Kranken hinreichte;der Doctor hat dir jede Aufregung unterſagt und heute ſcheint mir dein Fie⸗ ber heftiger als je, denn deine Wangen glühen und deine Hände ſind brennend heiß.O, laß mich ſprechen, laß mich recht viel reden, ge⸗ liebte Mutter, denn es iſt mir manchmal zu Muthe, als wäre die Zeit nahe, in der ich mit dir nicht mehr würde ſprechen können, und ich hätte dir doch noch ſo viel zu ſagen, ehe ich von der Erde ſcheide.Ar⸗ wed, mein geliebter Sohn, nur das nicht! rief die Mutter im verzwei⸗ felnden Tone und ſank an dem Lager des kranken Jünglings auf ihre Knie,das wird der allgütige Gott nicht wollen, der dich uns zur Freude und Stütze in unſrem Alter geſchenkt hat. Von drei blühenden Kindern biſt du mir allein geblieben, biſt mein Troſt in den vielen kranken Tagen geweſen, die mich heimgeſucht. In dir hofft der Vater einſt ſeinen Helfer und Nachfolger im Amte zu finden; du darfſt nicht von uns gehen, dies Opfer kann der himmliſche Vater nicht von uns fordern!

Und wenn er es dennoch forderte, Mutter? ſeufzte der Kranke leiſe. Sie ſah unter ſtrömenden Thränen zu ihm auf, ſchlang dann liebevoll ihren Arm um ſeinen Hals und drückte ſeinen Kopf ſanft an ihre Bruſt. Mit innigem Ausdruck ſuchten Arweds Augen die ſeiner Mutter, dann ſenkte er matt die Lider und faltete die Hände, wie er es ſeit ſeinen Kin⸗ derjahren täglich zum Abendgebet gethan hatte, und nach einiger Zeit ſchien er wirklich einzuſchlummern. Ohne ihre Stellung zu ändern oder ſich zu regen, kniete die Mutter mit faſt verhaltenem Athem fort und fort, die Augen unverwandt auf das Antlitz ihres Sohnes gerichtet. Seit ſechs Nächten hatte kein Schlaf den Kranken erquickt, der, an einem gaſtriſchen

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