Von C. L. Wucke. 467
man ſich beileibe nicht nahen; ſie iſt keine Gute. Einem Steinbacher, der von Schmeerbach oder Winterſtein herauf kam und dem ſie ein Stückchen vortanzte, ſoll ſie, als er keck auf ſie zuging, ein ſo ſchauerliches, ſchreck⸗ liches Geſicht geſchnitzt haben, daß er vor Schrecken ſein Leben lang das Zittern davon behielt.
47. Von den beiden Geſpenſterkutſchen in Steinbach.
In der Chriſtnacht wird der Flecken Steinbach in der Geiſterſtunde von zwei unheimlichen, gläſernen Kutſchen beſucht, die auf den ſchlechteſten und ſteilſten Wegen dorthin gelangen. Die eine derſelben, von 6 Gais⸗ böcken gezogen, kommt von der Schäferbergshöhle herab und wendet an dem Hauſe des Schneiders Eberlein im ſogenannten Oberland, d. h. dem obern Dorfe; die andre, die mit 6 Rappen ohne Köpfe beſpannt iſt, rollt von der Altenſteiner Chauſſee den Steier, d. i. den Steiger, jenen ſteilen, über die Klippen führenden Fahrweg von Steinbach nach Ruhle, herab bis in die Mitte des Dorfes an die ſogenannte Brücke. In dieſer letzten ſitzt eine verwunſchene Prinzeſſin. Wer dieſer begegnet und ihr in das Spinnwebengeſicht mit den hohlen Augen guckt, hat das Jahr über Un⸗ glück oder muß wohl gar ſterben.
48. Vom Schäfer am Hächheimer Holze.
Der Schäfer von Beirode hütete einſt ſeine Heerde am Höchheimer Holze. Da entfernte ſich eines ſeiner Schafe von den übrigen. Er nahm daher einen Stein auf ſeine Schöpfe, um dem Thier einen Denkzettel an⸗ zuhängen. In dieſem Augenblick jedoch wurde ihm die Schöpfe von hin⸗ ten mit den Worten feſtgehalten:„Halt, Freund! Was wollt Ihr be⸗ ginnen? Der Stein iſt mehr werth als Eure ganze Heerde.“ Hiermit nahm der Sprecher, der kein anderer war als einer der Venediger, dem verdutzten Schäfer den Stein von der Schöpfe, ſchlug ihn mit ſeinem Hammer an und zeigte ihm das pure glitzernde Gold. Darauf ſteckte der Welſche den Stein in die Taſche und verſchwand in dem Walde.
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