Sagen von der Werra.
Von C. L. Wucke.
II. Rechtes Werraufer. 45. Von der Kingskutte bei Möhra.
„Ich habe drei Jahre als Knecht drüben in Möhra gedient,“ erzählte der alte Hirte,„und manchen Schweißtropfen in der Kingskutte verloren; die kenne ich wie meine Taſche. Sie liegt ja kaum einige Büchſenſchüſſe weit auf der Höhe hinter Möhra, rechts am Fußpfade nach Ettenhauſen, iſt an der tiefſten Stelle höchſtens mannstief und einige dreißig Schritte lang und breit. Eine kurioſe Sache bleibt es, daß an heißen Sommer⸗ tagen, wenn man glaubt, im Felde müſſe alles verbrennen und Quellen und Bäche verſiegen, die ſalztrockene Kingskutte auf einmal voll Waſſer wird. Oft ſickert es ebenſo ſchnell wieder in den Boden wie es gekom⸗ men, oft auch ſteht es ſo lange, daß die Sommerfrucht darin abſtirbt. Und wahr iſt es, daß, wenn die Kingskutte voll Waſſer ſteht, das Ge⸗ treide im Preiſe ſteigt, und ſollte es auf den Dächern wachſen.“
46. Von der tanzenden Jungfer am Hausfeld.
Wenn droben im Gebirge das Heidekraut nur noch an der Spitze blüht und die reifen Nüſſe vom Haſelbuſch rieſeln, dann tanzt dort hinter dem Gerberſtein in der Nähe des Rennſteiges, wo man es das Hausfeld heißt, weil allda ein Haus geſtanden haben ſoll, eine weiß verſchleierte Jungfer mit dem bereits gefallenen Laube um die Wette. Der aber darf


