Von S. Auguſtin. 463
Meſſer ein Kreuz in den Stamm und baute über dieſem Zeichen einen Altar von Steinen.„Geſegnet iſt dieſe Stätte!“ rief er aus,„geſegnet das Thal, aber dreimal geſegnet ſind diejenigen, denen es dereinſt vergönnt ſein wird, die heilige Reliquie anzubeten, die hier eingeſchloſſen liegt.“ Nach dieſen Worten war der Mann verſchwunden.— Die Kinder Merca's gingen nach Hauſe, um ihrer Mutter alles zu erzählen, und Merca dankte Gott, daß es ihr vergönnt geweſen war, einen himmliſchen Gaſt zu her⸗ bergen. Von dem Tage an aber wurde die Fruchtbarkeit des Platzes, auf dem der Feigenſtamm lag, ſo groß, daß man Vieh hintreiben konnte, ſoviel man immer wollte, ohne daß das Futter aufzuzehren war.
So war eine lange Zeit vergangen, bis unter der Regierung Clo⸗ thars III. der heilige Wanige in das Land von Caux kam. Dieſer hei⸗ lige Mann, der damals Kanzler und Günſtling des Königs war, jagte oft in dem Thale von Fécamp, da er aber nicht wußte, welche Gnade dem Orte widerfahren war, ſo erzeigte er ihm auch keine beſondre Ver⸗ ehrung, und der Herr beſchloß endlich, ihm kund zu thun, welcher Schatz hier verborgen lag. St. Wanige empfing die Offenbarung im Traume, zund die heilige Eulalia, zu der er flehte, theilte ihm mit, daß er den Willen Gottes am beſten erfüllen würde, wenn er über dem Feigenſtamm eine der heiligen Dreieinigkeit gewidmete Kirche baute und dabei eine Abtei gründete, zu deren Oberin die heilige Childemarche aus Bordeaur berufen werden ſollte. St. Wanige begann das Werk ſogleich und hatte noch vor ſeinem Ende die Freude, die Abtei vollendet zu ſehen.
Von der Zeit an übte man im Thale von Fécamp die chriſtliche Re⸗ ligion mit Ernſt und Eifer, bis bei einem Einfall der Normannen die Kirche und die Abtei zerſtört wurden.— Später ließ Guillaume Longue⸗ Epée ein neues Gebäude auf den Ruinen der alten Kirche von Fécamp errichten, und während der Einweihung des Gotteshauſes trug ſich aber⸗ tnals ein Vorfall beſonderer Art zu. Es trat nämlich ein Mann von hohem Wuchſe, mit blendend weißem Haar und Bart in die Kirche, ſchritt nuf den Altar zu und legte ein Meſſer darauf nieder. Die verſammelte Gemeinde beobachtete jede Bewegung des Mannes, und als er die Kirche verließ, folgten ihm viele nach, um zu ſehen, wohin er gehen würde. Aber kaum hatte er die Kirche verlaſſen, ſo ſtieg er auf einen Stein und trhob ſich in die Luft, als würde er von unſichtbaren Flügeln getragen.
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