464 Die Abtei von Föcamp.
Als das erſte Erſtaunen über die wunderbare Erſcheinung vorüber war, ſah man, daß der Fuß des Mannes ſich in die Stufe am Altar ein⸗ gedrückt hatte, als wäre dieſe von weichem Wachs. Auf dem Meſſer aber las man die Worte:„In honorem sanctissimae et individuae Tri- nitatis.“
So weit das Manuſcript im Archive der Abtei von Fécamp. Im Munde des Volkes leben indeſſen noch eine Menge Sagen, die ſich auf die Abtei und ihre koſtbaren Reliquien beziehen und von denen wir nur einige mittheilen.
Bei der Gründung der neuen prächtigen Kirche, welche Richard l. an der Stelle des alten, ärmlichen Gotteshauſes von Fécamp erbaute, trug ſich folgendes Wunder zu. Ein Prieſter Namens Iſaak— dieſen Name ſcheint beſtimmt, bei den Mirakeln des heiligen Blutes eine Roll zu ſpielen— las eines Tages in Saint⸗Maclou, einem an Fécamp gren zenden Kirchſpiele Meſſe, als er im Augenblicke der Communion bemerkte, daß Wein und Hoſtie verſchwunden waren und ſich ſtatt deſſen das wahrn Fleiſch und Blut Chriſti im Kelche befand. Der erſchrockene Prieſtet ſandte ſogleich nach Fécamp, um fragen zu laſſen“ was er bei dieſem wunderſamen Vorgange zu thun habe. Die Geiſtlichkeit von Fécamp, an ihrer Spitze Herzog Richard, eilte ſogleich nach Saint⸗Maclou. Das Wunder wurde in Gegenwart vieler Zeugen beſtätigt und man vereinigte dieſes neue Blut mit demjenigen, welches vermittelſt des Feigenbaums nach Fécamp gekommen war. Der Hoſtienteller und der Kelch aber, die zur Vollziehung des Wunders gedient hatten, wurden nebſt dem von dem Engel deponirten Meſſer unter den Hauptaltar der neuen Kirche, neben dem heiligen Feigenſtamm, niedergelegt.
Im Jahr 1201 entführte ein Mönch Namens Vautrier, der ſich zu einer Wallfahrt nach Jeruſalem einſchiffte, das heilige Blut— aber die furchtbaren Stürme, die der Kirchenräuber auf der Ueberfahrt zu beſtehn hatte, veranlaßten ihn zu dem Gelübde, die Reliquie bei ſeiner Rückkehr zurückzugeben. Vautrier hatte das Blut in einer Kriſtallphiole verwahrt und dieſe wurde nun an einer ſilbernen Kette im Reliquienſchranke auf gehangen. Seit dieſer Zeit, wo die Reliquie ohne Unterbrechung in der Kirche der heiligen Dreieinigkeit blieb, hörte man dort oft während der Nacht himmliſche Chöre. Der Altar zeigte ſich glänzend erleuchtet, die


