Jahrgang 
1 (1862)
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462 Die Abtei von Fécamp.

mit den Apoſteln, die das Land von Caux zum Chriſtenthum bekehrten, in die Gegend kam und ſeine Wohnung in dem Thale aufſchlug. Er hatte ein Weib, welches Merca hieß, und drei Söhne. Als nun dieſe Söhne Bozo's einſt die Heerden ihres Vaters auf die Weide trieben, be⸗ merkten ſie an dem heiligen Stamme drei Schößlinge unbekannter Art, mit zarten, dunkelgrünen, tief ausgezackten Blättern. Sie nahmen einen derſelben, trugen ihn heim, und ihr Vater, der von Geburt ein Römer war, erkannte den Zweig eines Feigenbaums. Er ging alſo hin, um den Stamm, an welchem ſich die Schößlinge zeigten, nach Hauſe zu ſchaffen aber obgleich die Aufgabe ſehr leicht ſchien, gelang es ihm doch mit Anſtrengung aller ſeiner Kräfte nicht, den Block aufzuheben, und er mußte ſich damit begnügen, auch die übrigen Zweige abzuſchneiden. Er pflanzte dieſelben in der Nähe ein, wo ſie wuchſen, Früchte trugen und ſich ver⸗ mehrten, ſo daß man dem Platze den Namen Champ du Figuier(Feigen⸗

feld) gab. Später nannte man das ganze Thal nach dem lateiniſchen Ficus campus Fécamp oder Fescamp.

Endlich, als Bozo in hohem Alter geſtorben war, empfing Merca eines Tages einen unbekannten Gaſt in ihrem Hauſe. Es war ein weiß⸗ haariger Mann von ehrfurchtgebietendem Aeußern, und Merca bot alles auf, um es ihm in ihrem Hauſe bequem zu machen. Als ſie nun Abends am Kamin ſaßen, bedauerte Merca, daß ſie keinen großen Klotz im Hauſe hatte, um ihn zu Ehren ihres Gaſtes in's Feuer zu werfen, und ihre Kinder, die das hörten, nahmen ſich vor, am andern Tage wo möglich den alten Feigenſtamm herbeizuſchaffen und ſo den Wunſch der Mutter zu erfüllen. Der Fremde hörte die Unterredung der Kinder, und auf ſeine Frage erzählten ſie ihm von der außerordentlichen Schwere des Holzes und wie die Zweige des Stammes dem Thal den Namen gegeben hatten, und er beſchloß mit ihnen zu gehen, um den Block zu ſehen.

Am andern Morgen machte man ſich auf, um das Project zur Aus⸗ führung zu bringen. Der Stamm, an welchem Bozo ſeine Kräfte ver⸗ gebens verſucht hatte, wurde mit Hülfe des Fremden auf einen Ochſen⸗ karren gelegt und langſam dem Orte ſeiner Beſtimmung zugeführt aber als man zu dem Platze kam, wo ſpäter die Abtei Fécamp erbaut wurde, brach der Wagen unter der Laſt zuſammen. Der Gaſt Merca's erkannte in dieſem Vorfalle einen Fingerzeig Gottes, ſchnitt mit ſeinem