Jahrgang 
1 (1862)
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Von Edmund Hoefer. 5

Gernsburg nicht freundlich empfangen worden, ſprach meine Nachbarin theilnehmend.Jetzt aber, höre ich, ſoll alles gut gehen und wollen ſie ihr Haus eröffnen.

Der Tanz war aus, die zurückkehrenden Tänzerinnen machten jede weitere Unterhaltung unthunlich, und man ging zu ſoupiren. Ich hatte meinen Platz bei nicht grade genaueren Bekannten gefunden; die Fragen, die ich an ſie in Betreff der Dame ſtellte, fanden wenig Anklang und noch weniger genügende Antworten. Den Präſidenten hatte ich gar nicht geſehn, von meinem Tiſchplatz aus erblickte ich auch die Dame nicht, und als man aufſtand und in den Saal zurückkehrte, hörte ich's zufällig, daß die Gatten ſchon fortgegangen ſeien, was, da die Dame erſt kürzlich ſo ernſtlich krank geweſen, am Ende das Natürlichſte war. Es that mir in⸗ deſſen leid, denn ich geſtehe, daß mich ernſtlich darnach verlangte, mehr von der Frau zu hören und zu ſehen, die einen ſo ganz unbeſchreiblichen Ein⸗ druck auf mich gemacht, und es ſchien doch nicht, daß ich an dieſem Abend noch etwas erfahren ſollte, da ſich, obgleich ich bis zum Ende des Balles blieb, ſtets Geſprächsgegenſtände fanden, die mich nicht auf das erwünſchte Thema kommen ließen.

Als ich nach dem Schluß des Balles durch die faſt ſchon ganz leeren Räume ſchlenderte und auch nachgrade an's Heimgehn dachte, ſchaute ich mehr durch Zufall als in Erwartung, dort Bekannte zu finden, in ein Nebenzimmer hinein, wo man ſonſt wohl ein Glas Wein zu trinken und eine Cigarre zu rauchen pflegte. Unvermuthet fand ich indeſſen noch einen kleinen Kreis um den Tiſch gereiht, und da es alles gute Freunde waren, nahm ich keinen Anſtand, mich auf die muntere Einladung zu ihnen zu ſetzen, zu trinken, zu rauchen und zu plaudern. Zu ernſter Unterhaltung war keiner von uns aufgelegt; man redete und ſcherzte wie üblich hin und her und erging ſich, obgleich wir alle nicht mehr zu der betreffenden Ge⸗ neration gehörten, in allerlei Reminiscenzen an den Ball und Bemerkun⸗ gen über dieſe oder jene Perſönlichkeit.Unſern Schönen geht es ſchlimm, bemerkte endlich jemand,ſie ſind vollkommen ausgeſtochen. Die Roland übertrifft ſie doch alle. Da war ich mit einemmal mitten im Fahrwaſſer.

In der That, ſagte ich,ihre Erſcheinung ich habe die Frau heut zuerſt geſehn machte einen wunderbaren Eindruck auf mich, ohne daß ich mir recht klar bin, wodurch er ſo mächtig geworden. Iſt ſie