Madonna Luna.
wirklich ſo überwältigend ſchön, oder liegt es in der Milde und dem Duft, der ſie umfließt?“— Einige lachten über meine Worte, Einer oder der Andere ſpöttelten auch ein wenig, der Rittmeiſter von Brunnow aber ver⸗ ſetzte ernſthafter als es ſonſt in ſeiner Art:„na, ob ſie ſchön iſt, bei Gott! Das liegt übrigens ſo zu ſagen in ihrer Familie. Ich kenne nicht Einen von den Ihren, der ſich äußerlich nicht auszeichnete— nehmt nur zum Exempel ihren Bruder. Mag man ſonſt von ihm ſagen und halten, was man will— ein bildſchöner Burſche iſt er.“—„Ihr Bruder?“ rief ich lebhaft,„ihre Familie? Wie heißt ſie, woher ſtammt ſie? Ich wiederhol' es, die Frau intereſſirt mich über die Maßen, ich möchte mehr von ihr erfahren; auch ſchon deßhalb, weil ich nächſtens doch einmal ihr begegnen muß—.“—„Na na, Herr Bräutigam, nehmen Sie ſich in Acht!“ fiel er neckend ein.„Madonna Luna hat, wenn auch nur die Hälfte von dem wahr, was man über ſte ſagt, oder doch ſagte, mehr als ein Dutzend Herzen auf dem Gewiſſen, und darunter einige, die ſich Gott weiß was auf ihre Stärke und Treue einbildeten.“
„Luna?“ fragte Einer;„heißt ſie wirklich ſo?“—„Allerdings,“ verſetzte er nickend.„Und Madonna Luna hießen wir ſie ſonſt drüben in der Reſidenz— wie ihr zugeben werdet, nicht ganz ohne Grund.
Denn außer dem Milden und Duftigen, von dem der Rath dort ſprach, und das Manchen ſchon an den Mond erinnerte—.“—„Wie mich heut Abend,“ fiel ich ein.—„Glaub's wohl, mein Lieber! Alſo außer dem Mondenzauber, poetiſch zu reden, findet ſich wirklich etwas Madonnenhaf⸗ tes in dieſem Geſicht. Zumal wenn man ſie einmal in ihrer Haustracht ſah, ſo wie ich— die Kleine verſteht Toilette zu machen—!“—„Hö⸗ ren Sie, Brunnow,“ unterbrach ihn ein Anderer ungeduldig.„Ergehn Sie ſich nicht fortwährend in ſolchen pikanten Andeutungen, ſondern ſtillen Sie unſre muthwillig erregte Neugierde endlich, und erzählen Sie aus⸗ führlicher, wenn Sie ſie und die Ihren kennen. Die zerbrochenen Herzen — hm, mir ſcheint, wir ſind grade in der paſſenden Stimmung.“— „Na, ob ich ſie kenne, bei Gott!“ entgegnete er und trank kopfſchüttelnd ſein Glas aus.„Etwas Rühmenswerthes oder gar Schmeichelhaftes liegt aber in dieſer Kenntniß ganz und gar nicht, kann ich euch ſagen. Was ich weiß, ſteht indeſſen zu Dienſten. Es iſt ein ſeltſam Stück Familien⸗ geſchichte, das iſt richtig, und eigentlich iſt's ein Wunder, daß keiner von Ihnen allen davon erfahren zu haben ſcheint. Wer in der Reſidenz davon
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