Madonna Luna.
geſehn und gehört hätte—!“—„So würde ſie ſicher mit mir überein⸗ ſtimmen,“ fiel ich ein wenig ungeduldig ein.„Die Wahrheit über alles, ich ſah die Dame noch nie und nie etwas Aehnliches.“—„Und doch haben Sie ſchon ihren Namen errathen, Herr Poet!“ meinte ſie lächelnd. —„Ihren Namen?“—„Ja; Sie haben ſie ja mit dem Monde ver⸗ glichen— ich gebe zu, es trifft gewiſſermaßen zu, denn es iſt etwas un⸗ gemein Mildes, Reines und Klares an ihr!— und ſie heißt ja unchriſt⸗ licher Weiſe auch Luna.“—„Luna?“ fragte ich überraſcht.—„Ja, Luna. Weiß Gott, wie ein Prediger ſich zu dem Namen verſtanden ha⸗ ben mag!— Nun aber wiſſen Sie doch, wer es iſt? Nicht?“ Und da ich ſie nur kopfſchüttelnd anſtarrte, ſetzte ſie lachend hinzu:„hören Sie, Nud⸗ lof, das läßt mich an das Einſiedlerleben glauben, welches Ihre Bekann⸗ ten Ihnen nachſagen. Kennt der Herr Rath ſeine eigene Herrin nicht! Es iſt ja die Frau Ihres Chefs, des Vicepräſidenten Roland.“
„Die!“ ſagte ich überraſcht und fuhr nach einem langen Blick auf die Dame gewiſſermaßen ruhiger fort:„da kann Sie meine Unkenntniß doch eigentlich nicht verwundern. Sie wiſſen ſo gut wie ich, daß Roland erſt ſeit Anfang September hier— die Frau iſt, glaub' ich, noch ſpäter gekommen— und ſeitdem ſo viel Kränkeln und Kranken in ſeinem Hauſe gehabt hat, daß von ſeiner Familie gar nicht die Rede war, wenn nicht bei einer gelegentlichen Frage nach dem Ergehn ſeiner Kranken. Ueberdies komme ich mit ihm wenig in Berührung, da ich nicht in ſeiner Abthei⸗ lung arbeite.“—„Sie ſind ja aber ein Intimus des Doctors Rothen⸗ fels, ſoviel ich weiß,“ wandte ſie ein.„Der iſt dort Hausarzt. Hätte gar nicht geglaubt, daß die Herren Doctoren ſo unendlich discret und ver⸗ ſchwiegen wären, wie es hiernach ſcheint.“—„Ja Rothenfels,“ erwiderte ich,„was iſt mit dem? Hat er ſo viel zu thun, oder iſt er noch einſied⸗ leriſcher als ich? Er ißt jetzt zu Hauſe und es können Wochen vergehn, ohne daß ich ihn nur einmal ſpreche. Und wenn ich ihn wirklich faſſe, ſo iſt er ſo zerſtreut oder preſſirt, daß ich ihn ſtets bald wieder fahren laſſen muß. Doch erinnere ich mich,“ ſchloß ich,„daß er mir vor Mo⸗ naten einmal von Rolands ſprach, wie ſchwer es die Frau habe, die ſel⸗ ber kaum vom Krankenbett erſtanden, ſeitdem, eins nach dem andern, die beiden ſterbenskranken Kinder pflegen und umſorgen müſſe, wie liebens⸗ würdig und gut ſie ſei, und wie wenig ihr der vielbeſchäftigte Mann zu Hülfe kommen könne.“—„Ja, ſie iſt in dieſer Beziehung bei uns in


