Jahrgang 
1 (1862)
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Von Edmund Hoefer. 3

ſolchen Ausdrücken und Bezeichnungen getrieben wird ich kann nicht dies umhin zu ſagen, daß mich bisher noch nie der Anblick eines Menſchen⸗ Jdes kindes ſo tief Perübrt und daß ich auch noch nie ein ähnliches geſehn c im hatte.

de ge⸗ Es war eine noch junge Frau, von zarter und ſchlanker Geſtalt, von weni⸗ der graziöſeſten, anmuthigſten Haltung, von den graziöſeſten, anmuthig⸗ d war ſtten Bewegungen, wie ich augenblicklich wieder bemerkte, da ſie eben von eeinnem Andern zu einer Tour außer der Reihe geholt wurde. Und da ſie uns, wie geſagt, ganz nahe ſtand und meine Augen, noch von der ältern Generation, auch ohne Brille vortrefflich ſahen, ſo hatte ich Gelegenheit genug, jede Linie ihres Köpers und jeden Zug ihres Geſichts auf das ge⸗ nauſte und deuglichſte kennen, zu lernen. Von blendender Schönheit war keine Rode, im Wegenthet es blendete nichts an ihr, alles war ſanft, kindlich weich und rein, lieblich und innig, ihre Freundlichkeit ſo gut, wie ihr Sinnen, der reizende kleine Mund, die großen, vollkommen mi rein geſchnittenen Augen, deren Blau, wenn ſie zu ihrem Tänzer freund⸗ nden lich auf- oder urtherblickte, ſo intenſiv und leuchtend erſchien, daß ich die da Farbe auf dieſe Entfernung ſogar erkannte. Sie hatte ſehr reiches und i der volles Haar von jenem ſchönen hellen Blond, das wir ſonſt faſt nur an übrer Kinderköpfchen finden, und das ſich gewöhnlich mit den Jahren in eine and dunklere Färbung zu verlieren pflegt. Auch dies, ſowie die Farbe des tiſe, ganzen Geſichts, ſie war mehr blaß als roth, und von Erhitzung durch ſchen den Tanz zeigte ſich nicht eine Spur vermehrte noch das Sanfte, ielen Milde und Weiche dieſer Erſcheinung, und ebenſo trug begreiflicherweiſe vor⸗ auch die Toilette dazu bei. Davon vermag ich freilich nichts zu ſagen, jt muß mich vielmehr mit der Angabe begnügen, daß ſie aus ganz blaß⸗ vih blauen und weißen Stoffen beſtand und ſo leicht und duftig, ſo harmo⸗ niſch wie möglich war.

Meine Nachbarin hatte mich meinem Beobachten und Schauen, der Ekſtaſe oder dem Zauber ich wiederhole: es war etwas Bannendes und Berückendes in dieſer Erſcheinung! mit ruhigem Lächeln überlaſſen, und erſt, da jene von der neuen Tour an ihre Stelle zurückkehrte und ich 4 nochmals fragte:aber um des Himmelswillen, wer iſt denn das? Ich 1 weiß nicht ſoll ich ſie eher der Undine vergleichen oder dem ſtillen

Vollmond einer milden Frühlingsnacht? da verſetzte ſie mit leiſem Kopfſchütteln:Herr Rath, Herr Ratb, wenn Fräulein Braut Sie eben 1*