Jahrgang 
2 (1861)
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die Bemühungen der Jeſuiten um das Erbe eines reichen alten Franzoſen, der ihnen aber im letzten Augenblick ent⸗ führt wird, ſo daß ſie, um das Erbe nicht zu verlieren, genöthigt ſind, einen Andern für ihn auftreten, im Profeß⸗ hauſe zu Rom ſterben, und den ächten Herrn von Ancier, der nach einiger Zeit wieder auftaucht, für einen Be⸗ trüger erklären zu laſſen.

A. Meißner, Neuer Adel. 3 Bde. Leipzig. Grunow. 1861. Ein vortreff⸗ liches Buch, gleichfalls ſo meiſterlich geſchrieben, wie wir es von dem Verf. gewohnt ſind, gut erfunden und an⸗ gelegt, ſpannend verwickelt und befrie⸗ digend d durchgeführt. Der Roman ſpielt in Prag, den böhmiſchen Bädern u. ſ. w. und hier finden wir, beſonders aus Prag, Localſchilderungen, die nicht beſſer gedacht werden können. Ebenſo ſind auch die Menſchen, ihr Leben und Treiben, auf das muſterhafteſte gezeichnet, und Geſtalten, wie die Mitglieder des Fünf⸗ bundes und der alte Hausmeiſter, wie der Banquier Roſenſtern und ſeine Toch⸗ ter, wie dieKünſtler im Bade und einzelne Mitglieder dieſer Badegeſell⸗ ſchaft, ſind des beſten Lobes würdig. Wir empfehlen das Buch aufs wärmſte.

K. Wartenburg, Neue Pro⸗ pheten. 2 Bde. Leipzig. Grunow. 1861. Eine höchſt verwickelte, roman⸗ tiſche Geſchichte aus dem modernſten Leben, mit einem furchtbar einfluß⸗ reichen, gewiſſenloſen Frömmler und ſeiner Partei einerſeits, mit einer edlen, unglücklichen Frau, einem unſchuldigen Mädchen, einigen indifferenten Menſchen in der Mitte, und mit einem verheim⸗ lichten mißhandelten Kinde, einem ver⸗ bitterten, aber großherzigen Setzer, einem ſchwermüthigen Arzt u. ſ. w. auf der andern Seite. Wir wollen nicht leug⸗ nen, daß das Buch ſehr brave Schilde⸗ rungen und Charakterzeichnungen und auch, als Ganzes betrachtet, manches Lobenswerthe enthält; daneben finden wir aber noch viel Uebertreibung, Ueber⸗ ſchwänglichkeit und Unwahrſcheinlichkeit. Wir dürfen indeſſen hoffen, daß der Verf., der ein ſehr hübſches Talent zeigt, nach und nach zum ruhigen Maß

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und damit zu vollkommen erfreulichen Schöpfungen vorſchreiten werde. Der vorliegende Roman iſt immerhin ein Buch, das zu ſolchen Hofſnungen be⸗ rechtigt.

Kirchenrath Dr. Wohlfahrt, Der Student von Oxrford. 2 Bde. Leipzig. Grunow. 1861. Das Buch wird einpädagogiſcher Roman ge⸗ nannt und ſoll ſowohlein Rathgeber für gebildete Eltern, als auchein Führer für Jünglinge beim Eintritt in die Welt ſein. Der Verfaſſer ſpricht in der Vorrede die Hoffnung aus, das Buch werde dieſelbe freundliche Auf⸗ nahme finden. wie ſeine früheren pä⸗ dagogiſchen Schriften. Nun bekennen wir offen, daß wir dieſelben nicht ken⸗ nen und nicht wiſſen, ob ſie, chenſo wie der vorliegende Roman, das Lehr⸗ reiche mit dem Unterhaltenden verbin⸗ den. In dieſem Fall müßten wir jedoch auch über ſie urtheilen, wie wir es über denStudenten v. O. thun: wir können dieſer ſogut wie allen übrigen Zwittergattungen des Romans eine Be⸗ rechtigung nicht zugeſtehn, denn es kommt dabei weder der Körper noch das Ge⸗ wand zu ihrem Rechte, und wir glauben an keinen guten Erfolg einer ſolchen Schrift. Der Romanleſer wendet ſich gelangweilt ab; der Belehrung Suchende findet die romantiſchen Zuthaten min⸗ deſtens überflüſſig. Wir geſtehn be⸗ reitwillig zu, daß die pädagogiſchen Lehren und Regeln gar beherzigens⸗ werth ſind und viel Gutes und Treff⸗ liches enthalten; als Roman aber müſſen wir das Buch für ein außerordentliches ſchwaches erklären, es fehlt ihm mehr oder weniger alles, was einen Roman zum Roman macht. Endlich erheben wir uns mit ernſtlichem Tadel gegen dieſe Einkleidung auch deßhalb, weil ſie uns in ein Lokale, in Verhältniſſe hineinzwingt, mit denen wir keinen einzigen Berührungspunkt haben. Das Buch iſt deutſch und alſo doch wohl für Deutſche geſchrieben. Was haben wir mit engliſchen Sitten und Zu⸗ ſtänden, mit engliſchem Leben, mit Aliſchen, Univerſitäten zu thun? Weßhalb ſollen wir, wenn wir unſere