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II
Buche auf das allerinnigſte verwoben ſind, ſo iſt keine Möglichkeit vorhanden ſie herauszuarbeiten.— Wir haben von den drei vorliegenden Romanen, auf deren Inhalt wir uns nicht einlaſſen können, nichts zu ſagen als: man hätte ſie in Gottesnamen vergeſſen ſein oder werden laſſen ſollen. Dem Verleger mag durch ihre neue Herausgabe ein Vortheil erwachſen, aber der Litteratur und dem Publikum— im guten Sinne — und der Verfaſſerin ſelbſt erwächst dadurch nichts, was ihnen zum beſon⸗ deren Ruhm, zur beſonderen Freude gereichen könnte.
E. v. Rothenfels, Schloß El⸗ lersheim. Roman in 4 Bänden. Leipzig. Chr. E. Kollmann. 1861. Es thut uns leid, daß wir über dies Buch kein günſtiges Urtheil fällen kön⸗ nen. Die Verfaſſerin iſt eine gebildete Frau, die für Welt und Menſchen ein offenes Auge und Ohr und auch ein warmes Herz hat, aber mit dem allen ſchreibt man noch keine Romane. Da⸗ zu gehört vor allem noch die künſt⸗ leriſche Auffaſſung des Stoffs, ſeine künſtleriſche Geſtaltung, Anordnung und Ausarbeitung, und dies iſt, was wir an der Verf. und ihrem Buche ver⸗ miſſen. Es wäre unrecht leugnen zu wollen, daß das Buch manche hübſche Züge, manche wirklich gute Situationen dietet, weiter aber gelangen wir nicht, und trotz des ſichtbaren guten und ernſten Willens gibt uns die Verf. nichts als eine Erzählung, die ſich nirgends über die Arbeit einer Dilettantin erhebt. Das Buch iſt monoton, wie auch freilich mancher Kreis ſein mag, der aus ähn⸗ lichen wie die hier auftretenden Per⸗ ſonen gebildet iſt, und die romantiſchen Anläufe vermögen dem nicht abzuhelfen. Schreibe die Verf. weniger und lang⸗ ſamer, und hüte ſie ſich beſonders vor den endloſen Dialogen, die zwar Maſſe machen, die wirkliche Handlung aber nur aufhalten und dem Ganzen eben den Charakter jener Monotonie und Oede verleihen, welche wir an dieſem Buch hervorheben mußten.
E. Friſchimwald, Morgen und Abend. 2 Bde. Leipzig. Chr. E. Koll⸗
mann. 1861. Erinnerungen aus der Jugend-, Schul- und— Lehr—?— Zeit eines wunderlichen Mannes, durch⸗ ſpickt mit unzähligen Bibelſtellen, Lieder⸗ verſen, Gebeten, Bekreuzungen, kurz mit frommen Ergüſſen aller Art. Eines Urtheils müſſen wir uns enthalten, es müßte denn ein ſolches in dem Bekennt⸗ niß enthalten ſein, daß wir, ſo oft wir auch einen Anlauf nahmen, ſtets bald an der Breite und Confuſion des Buchs erlahmten und daſſelbe nicht verſtanden haben.
J. M. v. Gayette, Jacobäa von Holland. 2 Bde. Leipzig. Gru⸗ now. 1860. Das vielbewegte Leben der ſchönen und unglücklichen Gräfin von Holland hat ſchon häufig den Stoff zu hiſtoriſchen Romanen bieten müſſen, ohne daß wir uns aber einer Dar⸗ ſtellung zu erinnern wüßten, welche dieſem reichen Stoffe gerecht geworden wäre. Daß der hiſtoriſche Roman kein — Kinderſpiel, ſondern eine der aller⸗ ſchwierigſten Aufgaben im Bereiche der Poeſie iſt, wird durch die unendlich kleine Anzahl gelungener, durch die unermeßliche Maſſe verfehlter Verſuche auf dieſem Felde zur Genüge bewieſen, und trotz mancher guten Einzelheiten müſſen wir auch das vorliegende Buch leider dieſen letzteren zuzählen. Es iſt nicht genug damit, daß man dem Leſer von einer Zeit und den in ihr lebenden Menſchen, ihren Zuſtänden berichtet, man muß ſie auch zum Leben rufen vor dem Leſer, und zwar zu dem Leben, das ſie damals wirklich gelebt. Das vermiſſen wir hier gar ſehr. Es wird uns zwar viel von dieſen Menſchen und ihrer Zeit erzählt, aber wir kommen ihnen damit nicht näher, und wie ſie ſelbſt vor uns ſich zeigen, läßt uns häufig nicht an das fünfzehnte, ſondern an das neunzehnte oder höchſtens nur an das achtzehnte Jahrhundert denken. Wir finden dies mehr oder weniger pei allen Perſonen. Das Buch läßt kalt.
A. Meißner, Zur Ehre Gottes. 2 Bde. Leipzig. Grunow. 1860. Eine Erzählung von ſpannendem Intereſſe, mit aller Wärme und aller Meiſterſchaft Meißners geſchrieben. Den Stoff bilden


