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Kitterariſche Aeberſichten.
Berthold Auerbach, Joſeph im Schnee. Stuttgart. Cotta. 1860. Bei einer neuen Erzählung Auerbachs kann eigentlich kaum von einer Beur⸗ theilung und Beſprechung die Rede ſein. Leſer und Kritik wiſſen ja ſchon im Voraus, daß ſie etwas Treffliches in ſolchem Buche geboten erhalten. Wir begnügen uns daher mit der einfachen Conſtatirung dieſer Trefflichkeit. Auer⸗ bach thut unbekümmert, was man an⸗ dern Schriftſtellern gar leicht zum Vor⸗ wurf macht,— er bewegt ſich faſt immer auf dem gleichen, verhältnißmäßig be⸗ ſchränkten Terrain und in dem gleichen, anſcheinend nicht weitgegliederten, viel⸗ mehr einförmigen Stande— er gibt uns, mit einem Wort, Dorfgeſchichten aus Schwaben. Und er thut recht daran. Der Menſch und das Leben ſind uner⸗ ſchöpflich für jemand, der ſie wirklich zu beobachten verſteht, und bieten ſtets neue Züge, neue Situationen. So iſt auch Joſeph im Schnee wieder ein ganz beſonderes, ganz anmuthiges, tief aus dem Leben des einſamen Walddorfes herauf geholtes Bild, und Charaktere wie der Martina's und ihres Joſeph— wir machen auf die vortreffliche, über⸗ aus feine erſte Scene aufmerkſam!— wie die Familie Röttmann oder wie die des Pfarrers u. ſ. w., ſind, obgleich wir oft genug ähnlichen begegneten, doch ganz dazu angelegt uns immer wieder gleich zu intereſſiren und zu unterhal⸗ ten. Wir möchten ſagen: das iſt grade wie im Leben— wir kommen zeitweiſe in einen Kreis, verkehren mit alten
Bekannten und neu Herzutretenden und finden ſtets den früheren Genuß, die frühere Anregung und Unterhaltung. L. Mühlbach, Kleine Romane. Altona. Hammerich. 1860. Th. 1—3. Zwei Lebenswege.— Th. 4. An⸗ tonio.— Th. 5— 7. Bonners. Dieſe drei Bücher erſcheinen hier in zweiter, neu bearbeiteter Auflage und ſind daher zu einer Beurtheilung in unſeren Ueber⸗ ſichten kaum geeignet, da wir bei unſerem knappen Raum von Büchern abſehn müſſen, die ſchon vordem ihr Urtheil erhalten haben. Der Schreiber dieſer Zeilen iſt kein Verehrer der Mühl⸗ bach'ſchen Schriften, nicht der neueren, in denen wenigſtens eine gewiſſe Rou⸗ tine anzuerkennen, und noch weniger der älteren, in denen nicht nur dieſe Routine zu vermiſſen iſt, ſondern da⸗ für auch eine maßloſe, ungeregelte Phan⸗ taſie, ein Haſchen nach ungerechtfertigten pikanten Situationen, eine Anhäufung — nicht von Unwahrſcheinlichkeiten, ſon⸗ dern von Unmöglichkeiten mit der größtmöglichen Unbefangenheit und in der ſaloppſten Erfindung und Dar⸗ ſtellung von der Welt zu Tage treten, ſo daß ein Leſer, der mehr von einem Buche will als die Unterhaltung um jeden Preis, dadurch entweder erſchreckt oder degoutirt wird. Die„neue Bear⸗ beitung“ beſſert hieran nichts; im Gegen⸗ theil, man geſteht dadurch ſelbſt die früheren Mängel des Buchs zu, und wenn dieſe nicht etwa nur äußerliche Anhängſel, ſondern, wie bei den Mühl⸗ bach'ſchen Schriften, mit dem ganzen


