Jahrgang 
2 (1861)
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480 Quito. Von Fr. Gerſtäcker.

ebenfalls fortzuſetzen. Ich war jetzt vierzehn Tage in Quito, und hatte in dieſer Zeit dieſe geprieſene Stadt desewigen Frühlings ſo ſatt be⸗ kommen, daß ich die Stunde ſegnete, wo ich ihr den Rücken zudrehen konnte. In den letzten Tagen lernte ich den amerikaniſchen Conſul, Mr. Buikalew kennen, der ſich ſehr freundlich gegen mich zeigte und mir auf die liebenswürdigſte Weiſe anbot, in ſeine reizend gelegene Wohnung einzuziehen. Ich ſollte ſo lange dort bleiben, wie ich wollte, um Quito auch von einer beſſeren Seite kennen zu lernen aber ich hatte ſchon über und über genug davon.

Ich kann auch wirklich ſagen, daß ich meines Lebens dort keinen Augenblick froh geworden bin, denn von der beſchwerlichen Reiſe dort zum Tod erſchöpft angekommen, fühlte ich mich die ganze Zeit in Quito auch nicht eine Stunde vollkommen wohl. Möglich, daß mir die kalte Luft nach dem längeren Aufenthalt am Pailon nicht zuſagte, aber ich fieberte fortwährend, mein Magen wollte nicht pariren und der ewige Schmutz und Unrath, der mich auf allen Seiten umgab, machte das Uebel noch ärger.

Uebrigens zeigte es ſich gar nicht ſo leicht, wie ich gedacht hatte, von Quito wieder fortzukommen, denn nirgends waren Pferde zu miethen. Durch die Einnahme von Guajaquil öffnete ſich nämlich wieder der lang⸗ gehemmte Verkehr mit dieſer Stadt, und nicht allein Schaaren von Qui⸗ tenern ſtrömten dort hinab, theils in Geſchäften, theils aus Neugierde, ſondern auch ganze Caravanen von Laſtthieren waren dorthin unterwegs, einzelne Produkte des Landes, beſonders Anis, nach der See zu ſchaffen. Außerdem hatte der Krieg ſelber eine Unzahl von Pferden und Laſtthieren in Anſpruch genommen und ich mußte drei Tage warten, ehe ich zwei Pferde bis Guaranda über die Hälfte des Weges oder fünf ge⸗ wöhnliche Tagereiſen, miethen konnte. Ich zahlte dafür dreizehn Dollar.

Am 27. October Morgens ſtieg ich wieder in den Sattel, und wenn ich mich auch nicht beſonders wohl fühlte, war mir das Herz doch wenig⸗ ſtens froh und leicht, meinen letzten Marſch durch Ecuador endlich an⸗ zutreten. Außerdem bekam ich jetzt wieder ein tüchtiges Stück der Re⸗ publik zu ſehen, und das mochte mich denn für die Strapazen, denen ich auf's neue entgegen ging, entſchädigen.