Jahrgang 
2 (1861)
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Von Moritz Horſt. 9

Aufwallungen Macht über ſich gewinnen zu laſſen; das Gemeine konnte nicht an ihm haften, ebenſo wenig als er ſich dazu herunterlaſſen konnte. Dieſen ſeinen ſelbſtgeſchaffenen Grundſätzen blieb er in allen Lagen treu. Wir ſtanden zuerſt bei dem Regiment Waldemar und unter Befehl des Prinzen von***, dieſer hatte damals eine große Paſſion für eine ſchöne italieniſche Tänzerin, und ſie gaſtirte auf der kleinen Bühne der Stadt aus Gefälligkeit für den Prinzen. Von Seiten der Offiziere wurde für ſie eine Fackelſerenade veranſtaltet, alle Offiziere trugen die Fackeln ſelbſt; Eckbert, der ihr ein großes Bouquet zugeworfen hatte, ſchickte zwei Reit⸗ knechte und blieb bei der Serenade aus. Die Folgen waren drei oder vier Duelle, einige Quälereien von Seiten des Prinzen und Eckberts ge⸗ forderte Verſetzung zu unſerm jetzigen Regimente. Statt deſſen habe ich ihn vom Pferde ſpringen ſehen, um einem blinden Bettler das Almoſen, das er ihm ungeſchickt zugeworfen, in den Hut zu legen er gab kein anderes Geldſtück, ſondern machte ſeinen Fehler gut, indem er abſtieg. Unſere Ankunft bei dem neuen Regimente fiel in dieſelbe Zeit, als dieſes in und um K. ſtationirt war. Eckberts Station war das eine Stunde von der Stadt entfernte, romantiſch gelegene Schloß Heiligenkreuz, und es entſprach ſeinem etwas prachtliebenden Sinne, ſich dort ein wenig als Schloßherr zu benehmen, und durch die Vermittlung der Obriſtin, welche ſehr gern die Lady patroness dabei ſpielte, einige Sommerfeſte zu geben. Die Obriſtin hatte doppelte Gründe, dieſe Rolle mit Freuden zu übernehmen, zuerſt liebte ſie alle Geſelligkeit und am meiſten, die ihr keine Koſten bereitete, wie es hier der Fall war; dann aber wünſchte ſie nichts ſo ſehnlich, als für ihre ſchöne, glänzende Nichte eine paſſende Par⸗ tie zu finden, und wo hätte ſie eine glänzendere, beſſere finden können als eine Heirath mit Eckbert Asling, wenn er auch nur Oberlieutenant war? Das in der Nähe befindliche Uebungslager gab Eckbert Gelegenheit zu allerlei Geſellſchaften. Er gab Diners, ländliche Bälle, es wurde Thea⸗ ter im Freien geſpielt, Partien in das nahe Hochgebirge gemacht; die Obriſtin war die bezauberndſte Wirthin Eckbert hielt ſich ſo taktvoll zurück, niemand konnte irgend einen Anſtoß nehmen. Dennoch brachte die⸗ ſes ſo oft wiederholte, ungezwungene Zuſammenſein Adele von Lingenn Eckbert nicht näher, er war ihr eifriger Verehrer, aber keine Spur von warmer Herzlichkeit kam in ihr Verhältniß. Adele war ſchön, graziös, ſalongewandt, und klug, aber an Adel des Herzens war ihr Eckbert unend⸗