10 Der blonde Eckbert.
lich überlegen; ſie entzückte den Weltmann in ihm und blieb ſeinem Herzen fremd; ſie verſtand keinen Unterſchied zwiſchen Diamant und Glas zu machen und ſah in Eckbert nur die glänzende Partie, nicht die wahrhaft edle Natur.
„Nur einmal ſchien die Schranke, welche ſie geiſtig trennte, bereit zu weichen, auf einer Gebirgspartie, die wir ſpät im Sommer an einem wunderbar ſchönen Tage unternahmen. Ich ſelbſt habe Adele nie ſo lieb⸗ lich einfach, ſo mädchenhaft geſehen, als an dieſem Tage; ſie war einfach, gütig, herzlich, wie ich ſie nie gekannt, und Eckbert zum erſtenmale weich und erregt. Er hatte ihr Haidekraut gepflückt und ſie einen dicken Kranz gewunden, der ihr zu ihrem Cameenprofil, dem bläulich ſchwarzen, locki⸗ gen Haar, den blühenden Farben und blitzenden, feuchten Augen, wunder⸗ bar ſchön ſtand; ſie ſah aus wie Undine neben Huldbrand, als ſie zu Eck⸗ bert herablächelte, der auf den ſchmalen Bergpfaden ihr kleines Pferd acht⸗ ſam und faſt zärtlich ſorglich am Zügel führte. Wir wollten von der Höhe eines bedeutenden Berges die Sonne untergehen ſehen, kamen aber ſchon früher auf der Kuppe an und lagerten uns auf der ſammtenen Berg⸗ wieſe, vor der kleinen Kapelle, deſſen Marienbild als Gnaden und Wun⸗ der ſpendend weit berühmt und viel beſucht iſt.—
„Wir ließen uns die Kapelle öffnen, auf deren Altar das Gnadenbild ſtand; das rothe Licht der ſinkenden Sonne weckte purpurne Funken auf den Vergoldungen und den ſilbernen Gefäßen, eine rothgoldene Duftwolke erfüllte den ganzen Raum, und eine gewiſſe gerührte oder doch ernſtere Stimmung überkam für einige Augenblicke die ganze heitere Geſellſchaft. Ich weiß nicht, wer zuerſt der Verſuchung unterlag, ſeinen Namen an eine der weißen Säulen zu ſchreiben; die andern folgten, auch Adele. Sie ſchrieb jedoch nur ihre Vornamen: Adele Marie.— Eckbert ſetzte den ſeinigen darunter, aber zwiſchen beide folgende Verſe:
„Ich ſah dich ſchon in tauſend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt,
Doch keins von allen kann dich ſchildern, Wie heut' mein Auge dich erblickt!
Die Fürſtin nicht im Himmelsglanze, Nur reinſte Frau, nur hellſter Stern, Ein Gnadenbild im Roſenkranze, So lieblich hold— ſo himmliſch fern!“
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