Jahrgang 
2 (1861)
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8 Der blonde Eckbert.

reichen gewöhnliche Worte nicht für ihn aus. Wäre er ein Königsſohn geweſen, wie Siegfried, der Nibelungenheld, oder ein ſchlichter Soldat, wie Friedrich Frieſen, die Siegfriedsgeſtalt des Freiheitskrieges, immer würde er ſeine Umgebung weit überragt haben, durch die ächte Ritterlich⸗ keit ſeines Herzens. Seine Mutter hatte ſeine Erziehung mit zärtlichſter Weisheit und mildeſter Klugheit überwacht und geleitet, und ſie konnte, unterſtützt durch ſeine trefflichen Anlagen, für eine vollendete gelten. Er war nicht für einen Stand erzogen, er hatte nur eben den einen gewählt, ſeine gediegenen Kenntniſſe hätten ihn nach kurzem Fachſtudium für jeden Staatsdienſt, ſeine Sprachkenntniſſe für jeden diplomatiſchen Poſten reif gemacht. Auch war es nie ſeine Abſicht, für immer Offtzier zu bleiben, aber ein Asling müſſe einmal des Kaiſers Rock getragen haben, meinte er. Reich, lebensluſtig und prachtliebend, ließ er doch nie eine Gele⸗ genheit zur Erweiterung oder Förderung ſeiner Bildung unbenützt; die Cultur⸗ und Bodenverhältniſſe ſeines jeweiligen Aufenthaltes entgingen nie ſeinen Nachforſchungen; gab er auch eine vielleicht größere Summe für Pferde und Waffen aus, ſo war die zum Einkauf von Büchern, Kunſt⸗ gegenſtänden und naturhiſtoriſchen Dingen immerhin bedeutend, und ſeine Mutter ſchrieb oft ſcherzweiſe, ſie werde zuletzt anbauen müſſen, um nur für ſeine Kiſten Platz zu gewinnen, da er bei jedem Aufenthaltswechſel das Angeſammelte nach Wien zu ſchicken pflegte, um dereinſt ſein eigenes Haus zu ſchmücken.

Ihr wißt, ob er ein guter tadelloſer Offizier war, ein freundlicher Kamerad, ein gütiger Vorgeſetzter, ein gewandter Geſellſchafter und Frauen gegenüber ein ächter Ritter. Er ehrte in der geringſten von ihnen das Geſchlecht, und huldigte in den Schönen und Begabten ſeiner Mutter, er ſchonte in dem Mädchen die künftige Gattin eines ehrenhaften Mannes, und in der Frau die Mutter ehrenhafter Söhne, in der Gefallenen die einſtige Reinheit oder die künftige Buße, und er wußte ſeine Anſichten geltend zu machen und dem Spotte oder dem Beſſerwiſſen der Andern zu begegnen.Sie ſollten aus Klugheit ſchweigen, wenn ſie es aus Ehre nicht thun wollen, ſagte er oft, wenn das beliebte Thema, ſchlecht von den Frauen zu ſprechen, eben dageweſen war.Sie beweiſen durch ihr Geſchwätz bloß, daß ſie für edle Frauen zu gemein ſind, und daß dieſe ſich ihnen verſchloſſen. Ein ſtarkes Gefühl perſönlicher Würde machte es ihm zur Pflicht, nie eine bloße Begierde oder maßloſe, leidenſchaftliche